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Leben im Landkreis wird eingeschränkt: Seit Mittwoch gilt neue Allgemeinverfügung

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Berchtesgadener Land: Corona-Allgemeinverfügung und Einschränkungen ab Mittwoch wegen hoher Infektionszahlen
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Die Lage ist ernst, betonen Schulamtsdirektor Klaus Biersack, Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Wolfgang Krämer und Landrat Bernhard Kern. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgadener Land – Aufgrund des rasanten Anstiegs an Corona-Neuinfektionen muss das Landratsamt Berchtesgadener Land die Einschränkungen für die Bevölkerung verschärfen. Dazu gibt es nun eine Allgemeinverfügung, die am Dienstag um 13 Uhr in einer Pressekonferenz im Landratsamt Berchtesgadener Land bekannt gegeben wurde. Sie gilt seit Mittwoch voraussichtlich eine Woche lang. Grundlage ist eine enge Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.


Auslöser ist private Feier in Anger

Der Auslöser für den starken Anstieg der Fallzahlen im Berchtesgadener Land ist in der Gemeinde Anger bei einer privaten Feier geortet worden (zu unserem Fallzahlen-Ticker). So hat der Bürgermeister gleich für Montag eine eintägige Schulschließung veranlasst, das Rathaus bleibt aktuell noch geschlossen. »Etwa 60 Prozent der neuen Corona-Infektionen gehen auf den Hotspot in Anger zurück, 40 Prozent registrierten wir über das Testzentrum des Landkreises in Bayerisch Gmain und aufgrund der Meldungen von den Arztpraxen«, informiert Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes in Traunstein und im Berchtesgadener Land.

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Für Landrat Bernhard Kern ist die neue Allgemeinverfügung, die zunächst für eine Woche in Kraft ist, ein dringender Appell an alle Bürger, sich an die Regeln zu halten. »Es fordert viel Disziplin, ich bin mir aber sicher, dass wir diese Hochphase gut überstehen«, zeigt er sich zuversichtlich. »Wir müssen alle an einem Strang ziehen und die Hygienemaßnahmen sowie Abstandsregeln einhalten, um so rasch wie möglich zum Normalbetrieb zurückzukehren. Eine Eindämmung des Infektionsgeschehens ist möglich.«

25 Personen bei Hochzeiten und anderen Feiern

Was das öffentliche Leben betrifft, gelten ab sofort Beschränkungen der Teilnehmer bei Veranstaltungen auf 25 Personen bei Feiern, Hochzeiten und anderen Festivitäten in geschlossenen Räumen. Bei Vorlage eines Schutz- und Hygienekonzeptes sind im Freien 50 Personen zugelassen.

Begrenzt wird ebenso bei privaten Zusammenkünften und in der Gastronomie die Zahl auf fünf Personen am Tisch. Dabei grenzt die Verfügung genau ein, auf Angehörige des eigenen Hausstands, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerader Linie, Geschwister, sowie Angehörige eines weiteren Hausstands.

In der Gastronomie »ist die Abgabe von Speisen und Getränken zum Verzehr an Ort und Stelle in der Zeit von 23 bis 6 Uhr untersagt. »Für einen ruhigen Ausklang des Abends wird noch eine halbe Stunde gewährt, dann aber ist endgültig Sperrstunde für die Gastronomiebetriebe«, ergänzt Angelika Niedl, Juristin des Landratsamtes.

Als sensibler Bereich gelten Pflege-Einrichtungen, Seniorenheime und Krankenhäuser. Hier wird jetzt verbindlich nur ein Besucher pro Tag zugelassen. Eine Ausnahme gibt es für Minderjährige, denen ein gemeinsamer Elternbesuch erlaubt ist. Dabei habe man bei der Verordnung auch Erfahrungen aus der Praxis einfließen lassen. »So ist der Besuch in einer Senioreneinrichtung nicht nur den nahen Angehörigen gestattet, sondern auch engen Bekannten. Es gibt nämlich viele von ihnen, die keine Angehörigen mehr haben und so unter Vereinsamung zu leiden hätten«, erläutert Angelika Niedl.

Einen großen Raum in der Allgemeinverfügung nehmen die Schulen ein. »Es ist uns bewusst«, so der Landrat, »dass es Kinder, Eltern und Lehrer gleichermaßen viel abverlangt. Wir müssen aber die Infektionsketten unterbrechen.« In den Schulen ist ab der fünften Jahrgangsstufe auch am Platz ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Zudem muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet sein. »Ist dies nicht möglich, sind Klassen zu teilen und im Wechsel von Distanz- und Präsenz-Unterricht zu beschulen«, verlangt die Verordnung.

Schulamtsdirektor Klaus Biersack bekennt, dass Schulen und Lehrkräfte von der aktuellen Entwicklung völlig überrascht wurden. »Wir haben aber aus den Monaten von April bis Juli gelernt und sind für diese Situation nicht unvorbereitet«, ergänzt er. Eine Notfallbetreuung sei zwar nicht vorgesehen, »wir werden uns für besondere Härtefälle aber was einfallen lassen«, verspricht der Schuldirektor.

Weiter legt die Verfügung fest, dass Kindertagesstätten jetzt feste Gruppen bilden müssen. Das gilt auch für die Mahlzeiten. Verschärft wird die Regelung für Bahnhöfe und Bushaltestationen. Hier ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend.

Mit dem Hinweis, Verstöße mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro zu belegen, bekräftigt das Landratsamt noch einmal den Ernst der Lage. »Die Maßnahmen sollen uns allen helfen, einen zweiten Lockdown zu vermeiden«, bekräftigt Kern.

Corona-Zahlen und Nachrichten aus der Region:

Zu unserem täglich aktuellen News-Ticker: 17 weitere Covid-19-Fälle im Landkreis – neue Allgemeinverfügung ab Mittwoch

Gerd Spranger