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Super-GAU für den Tourismus

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Tagte im Großen Saal des AlpenCongress: die Verbandsversammlung der TRBK. (Foto: Kilian Pfeiffer)
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»Bergerlebnis Berchtesgaden« soll künftig nicht mehr von der BGLT vermarktet werden. (Foto: BGLT)

Berchtesgaden – Die Marke Berchtesgaden soll nicht länger über die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) vermarktet werden. Das hat der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK), Mehrheitsgesellschafter der BGLT, am Donnerstag offiziell gemacht. Damit steht auch die Zukunft der BGLT infrage.


»Das alles ist der absolute Super-GAU für den Tourismus«, so äußerte sich ein Teilnehmer am Rand der Verbandssitzung. Für Dr. Christoph Lung, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall, die ebenfalls Gesellschafter ist, kommt »die Entscheidung überraschend«.

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Hitzige Debatten hätte man erwartet, Diskussionen über ein Thema, das für den Tourismus im Berchtesgadener Land ein einschneidendes Ereignis darstellt. Allerdings blieb es ruhig. Eventuelle Debatten waren hinter verschlossenen Türen geführt worden: Die BGLT ist nicht länger für die Vermarktung der Marke Berchtesgaden (»Bergerlebnis«) zuständig.

Hannes Rasp, scheidender 1. Vorsitzender der TRBK, machte am Donnerstag während der Verbandssitzung deutlich, dass man geschlossen zum über Jahre ausgearbeiteten Markenprozess stehe. Dieser sei »erfolgreich abgeschlossen« worden. Man wolle sich aber weiterentwickeln. Gegenüber dem »Anzeiger« sagte er: »Dass eine Organisation zwei konkurrierende Marken (Berchtesgaden und Bad Reichenhall; Anm. d. Red.) vermarktet, ist nicht möglich. Wir mussten feststellen, dass das Vorhaben nicht in der gewünschten Konsequenz umgesetzt wurde.« Damit verpasst er der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH einen Schuss vor den Bug.

Unverständnis darüber äußert Oberbürgermeister Christoph Lung: »Wir nehmen das zur Kenntnis, setzen aber weiterhin auf die Arbeit der BGLT und die Personalie von Frau Dr. Schlögl.« Der Weg der vergangenen Jahre sei der richtige gewesen, ist er sich sicher. Eine Strukturdebatte, die in den vergangenen Jahren geführt wurde und mittlerweile abgeschlossen sein sollte, nun erneut auf den Weg zu bringen, sei nicht zielführend.

Neben der Stadt Bad Reichenhall ist auch die Gemeinde Bayerisch Gmain in der Marke Bad Reichenhall vertreten. Unter der Marke Berchtesgaden werben die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und die Erlebnisregion Berchtesgadener Land, zu der sechs Gemeinden gehören – Piding, Anger, Teisendorf, Saaldorf-Surheim, Freilassing und Laufen.

Beide Marken wurden bislang in einer Gesellschaft vermarktet. »Um eine klare Zuordnung (...) zu erreichen, soll die Vermarktung der Marken weiterentwickelt werden«, heißt es zudem in einer Pressemitteilung. Die TRBK mit rund 50 Mitarbeitern soll in Zukunft die Marke Berchtesgaden federführend verwalten.

Große Verunsicherung herrscht deshalb unter den Mitarbeitern der BGLT. »Diese verliert ihre Daseinsberechtigung«, sagt ein Touristiker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Tatsächlich spekuliert man intern auch darüber, ob die BGLT eine Zukunft hat und wenn ja, in welcher Form. »Natürlich wird das Auswirkungen haben«, bestätigt Dr. Brigitte Schlögl, Geschäftsführerin der BGLT, auf Nachfrage. »Ich werde meine Mitarbeiter aber so gut es geht schützen.«

Das Marketing im Berchtesgadener Land gründet auf komplexen Konstrukten, langjährigen Verträgen, gemeinsamen Projekten und Finanzierungen. Dies alles aufzudröseln, erfordere viel Arbeit, sagt Dr. Schlögl. Das Budget der BGLT für das Jahr 2021 ist in groben Zügen festgelegt. Es werde jetzt zahlreiche Gespräche geben, ist sich Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung sicher. Denn auch für ihn gibt es etliche »Fragen, die unbeantwortet blieben«.

Wieso das Ganze und in welche Richtung soll es weitergehen? Noch vor wenigen Wochen waren alle Tourismus-Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall an einem Tisch gesessen und hatten die gute Zusammenarbeit bekundet. Dr. Lung sagt, dass das Thema zunächst im Reichenhaller Stadtrat besprochen werden müsse. TRBK-Vorsitzender Hannes Rasp sagt, dass der Fehler im System liege. In der Pressemeldung des TRBK-Zweckverbands heißt es: Unser Ziel ist, drei starke Marken, eine wirtschaftliche (BGLW) und zwei touristische, durch drei starke Organisationen zu vermarkten, damit der Landkreis Berchtesgadener Land noch stärker wird, sowohl nach außen, als auch vor Ort.« Ob man nicht im Vorfeld habe abschätzen können, dass der eingeschlagene Weg der falsche sei? »Es war eine Entwicklung. Dieser müssen wir jetzt begegnen und nachsteuern«, sagt Rasp. Dessen Rücktritt und der seines Stellvertreters Franz Rasp als TRBK-Vorsitzende habe mit dieser Entwicklung nichts zu tun.

Kilian Pfeiffer