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»Was ich noch sägen wollte …«

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Der geniale Wortverdreher und Sprachakrobat Willi Astor bot im k1 glänzende Unterhaltung, zeigte sich aber auch von seiner ernsthaften Seite. (Foto: Heel)

Es gibt wohl kaum einen Künstler, der so unverwechselbar ist wie der mittlerweile 54-jährige Willy Astor aus München. Denn kaum hatte er die Bühne betreten und ein paar Besucher nach ihrem Beruf gefragt, hielt er schon einen riesigen gewellten Kamm hoch und sagte dazu »Wellkamm.«


Eine Begrüßung, wie sie nur Willy Astor einfallen kann, der jetzt im ausverkauften Saal des Traunreuter k1 sein aktuelles Programm »Reim Time« vorstellte. Und dabei sein Spiel mit der Zuschauerbefragung gleich munter fortsetzte. Etwa mit ein paar österreichischen Besuchern, die angaben, »aus Kitzbühel und Umgebung« zu kommen. »Also kein fester Wohnsitz«, stellte Willy Astor lapidar fest.

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Eine bunte und sinnfreie Mischung

Ähnlich amüsant ging es weiter, fast drei Stunden lang, in denen der geniale Wortverdreher und Sprachakrobat eine so bunte wie sinnfreie Mischung aus lustigen Wortspielen, köstlichen Parodien und schrägen Liedern servierte. Und das in einem Tempo, dass man schon höllisch gut aufpassen musste, um alle Pointen mitzubekommen. Zum Glück half der Künstler gelegentlich nach und wiederholte eine Pointe, »schließlich sitz ich an so einem Gag mehrere Stunden und dann versteht ihr ihn nicht«.

An Gags wie: Wenn man stundenlang am Strand herumliegt und danach 13 Kilo Sand im Po hat, dann ist das im-Po-Sand. Oder im Krankenhaus vom indischen Arzt gebeten wird: »Gehen Sie bis zum Ende des Ganges«. Zwischendurch erzählte er von seinem WG-Leben in Berlin, wo er mit Kai Pflaume, Jack Daniel’s, Jim Beam, Mariacron und vielen anderen zusammengewohnt hatte, die sich aber recht unterschiedlich gaben, »der Niki Lauda, der Ben Stiller und der Til eben der große Schweiger«. Dazu parodierte er Songs wie »Sex Bomb« oder »S.O.S.«, aus »Purple Rain« wurde »Bärbel rein«, und beim Baumarkt-Lied sang er »Was ich noch sägen wollte …«.

Nur bei einem Wettbewerb wie für den European Song Contest möchte er nicht mitmachen, »weil es sich da um eine Ausscheidung handelt«. Stattdessen absolvierte er, eingehüllt in eine Kapuzenjacke, einen Rap über das »Puber-Tier« bei sich zu Hause und ließ es beim Senioren-Medley »See You Later, My Rollator« mächtig krachen. Und wer als cooler Typ schon immer nach der optimalen Liebeserklärung gesucht hat, Willy Astor hatte sie parat: »Hey, du bist okay«.

Hervorragender Gitarrist und ernsthafter Liedermacher

Doch Willy Astor, der nach einer Ausbildung zum Maschinenbautechniker seit ca. 1983 Songs und Prosatexte schreibt, die er zunächst in der Münchner Kleinkunstszene präsentierte, hat noch eine andere Seite: Er ist auch ein hervorragender Gitarrist und ernsthafter Liedermacher. So begeisterte er gegen Ende seines Auftritts mit einer brillant gespielten Version der Titelmelodie aus dem Film »Der Dritte Mann«, in die er unvermittelt ein paar krachende Akkorde aus dem Rockklassiker »Smoke On The Water« einstreute.

Und er überraschte mit zwei sehr nachdenklich stimmenden Liedern, »Insel der Glückseligkeit« und »Einfach sein«, in denen er die Unzufriedenheit hierzulande respektive die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben thematisierte. Zwei Stücke aus seinem Liedermacher-Album, das 2017 erscheinen wird. Zum schönen Ausklang spielte er noch das Gitarrenstück »Nautilus« aus seinem Projekt »Sound of Islands«, »ein schönes, warmes Bad für die Seele der Zuschauer – und meine auch«. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wolfgang Schweiger