weather-image
18°

Berchtesgadener Bürgerheim beklagt 13 Verstorbene in sechs Wochen

2.8
2.8
Bildtext einblenden
Eine hohe Sterblichkeit gab es in den letzten sechs Wochen im Berchtesgadener Bürgerheim. Von den 13 Verstorbenen waren acht mit Corona infiziert. In der Statistik des Landratsamtes tauchen allerdings »nur« fünf Corona-Tote auf, (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Eine außergewöhnlich hohe Sterblichkeit gab es in den vergangenen sechs Wochen im Berchtesgadener Bürgerheim. Die hat auch, aber nicht nur mit dem Corona-Ausbruch in der Pflegeeinrichtung der Marktgemeinde Berchtesgaden Mitte/Ende Oktober zu tun. 13 Personen verstarben in den vergangenen eineinhalb Monaten im Bürgerheim, acht von ihnen »in Verbindung mit Corona«, wie Bürgermeister Franz Rasp dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigte.


Vor wenigen Wochen war die Einrichtung für Pflegebedürftige im Berchtesgadener Ortsteil Nonntal ein Hotspot in Sachen Corona. Ein Großteil der rund 40 Bewohner war erkrankt. Bürgermeister Rasp spricht von einer »Komplettdurchseuchung«. Zudem war über ein Dutzend Beschäftigte positiv auf das Virus getestet worden, wie die Recherche des »Berchtesgadener Anzeigers« bestätigt hatte. Daraufhin wurde eine Handvoll gesunder Patienten in das benachbarte Seniorenheim der »Insula« ausgelagert, das eine Zusammenarbeit angeboten hatte.

Anzeige

Dass in den letzten sechs Wochen 13 Bewohner des Bürgerheims verstarben, bezeichnet Bürgermeister Franz Rasp als außergewöhnlich hohe Sterblichkeit, er spricht von »Übersterblichkeit«. Selbst wenn dort das Norovirus um sich greift, seien es nicht so viele.

Allerdings, das betont der Rathauschef, seien »nur« acht dieser Toten »in Verbindung mit Corona« verstorben. Das sind allerdings immer noch drei mehr, als das Landratsamt in seiner Statistik erfasst hat. Auch gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« spricht die Behörde von fünf Corona-Toten im »Bürgerheim«.

Laut Landratsamt Berchtesgadener Land sind seit 13. April dieses Jahres landkreisweit insgesamt 13 Heimbewohner an Covid-19 verstorben. In den offiziellen Statistiken des Landratsamtes erscheint aber die gesamte Zahl an Todesfällen. Stand 3. Dezember sind dies nach Angaben der Behörde 36 Fälle seit Pandemiebeginn. »Bewohnerinnen und Bewohner von Heimen inkludiert«, heißt es weiter. Mindestens drei Corona-Tote im Bürgerheim sind darin offensichtlich nicht enthalten, weil das Landratsamt eben von der Zahl 5 ausgeht. Woher diese Diskrepanz kommt, bleibt offen.

Grundsätzlich seien alle bestätigten positiven Covid-19-Fälle registriert und würden in die Fall-Statistik mit einfließen – ebenso die Kontaktpersonen der Kategorie 1, so das Landratsamt. Alle Verstorbenen, die nachweislich an einer SARS-Cov2-Erkrankung verstorben sind, würden dadurch in der Statistik erfasst. Personen, bei denen kein positives Testergebnis vorlag, die aber »möglicherweise und unwissentlich an den Folgen einer SARS-Cov2-Erkrankung gestorben sind, können nicht erfasst werden«.

Die Entscheidung, ob ein Verstorbener ein Corona-Toter ist oder nicht, treffe schlussendlich ein Mediziner, so die Auskunft aus dem Landratsamt: »Letztendlich entscheidet der Arzt, der den Patienten behandelt hat beziehungsweise den Totenschein ausstellt, ob der Verstorbene an den Folgen einer SARS-Cov2-Erkrankung verstorben ist.«

Offiziell sollen positiv getestete Mitarbeiter in Alten-, Pflegeheimen und Krankenhäusern im Landkreis nicht mehr arbeiten dürfen: »Wenn in einer Klinik, Rehaklinik oder Pflegeeinrichtung ein Mitarbeiter positiv auf Corona getestet wird, dann kommt er zehn Tage in Quarantäne«, so die Auskunft aus dem Landratsamt. In solch einem Fall gelte es, Kontaktpersonen unter Bewohnern, Patienten und Kollegen – im beruflichen Umfeld und im Privatbereich – zu ermitteln, um über Quarantänemaßnahmen zu entscheiden.

»Ein positiv Getesteter arbeitet in aller Regel nicht«, heißt es weiter. Allerdings: Sollte die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes, »trotz Ausschöpfung aller organisatorischer Möglichkeiten durch die Quarantäne gefährdet sein«, könne in Ausnahmefällen und unter Beachtung strenger Auflagen von der Anordnung der Quarantäne abgewichen werden.

Laut Landratsamt sei in den Krankenhäusern des Landkreises »kein Fall bekannt«, in dem ein Mitarbeiter positiv getestet wurde und dann gearbeitet hat oder angehalten wurde zu arbeiten. Eine Ausnahme gibt es: In den hiesigen Alten- und Pflegeheimen wurde bislang ein einziges Mal die Erlaubnis seitens der Regierung von Oberbayern erteilt, »dass positiv getestete und asymptomatische Mitarbeiter in der Einrichtung unter strengen Hygienevorschriften und unter Selbstbeobachtung auf Symptome weiterarbeiten durften«, teilt die Behörde mit. Diese durften nur mit Vollschutzausrüstung inklusive Schutzkittel, Handschuhen, FFP2-Masken und Schutzbrillen ihrer Tätigkeit nachgehen.

Die Mitarbeiter hätten dabei aber ausschließlich Bewohner betreut, die ebenfalls bereits positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren. Ohne dies Erlaubnis wäre »die Funktionsfähigkeit der Einrichtung nicht mehr gegeben gewesen«. Die Ausnahme von der Quarantäne beschränke sich dabei auch ausschließlich auf die Arbeit. Nach der Arbeit hätten die Mitarbeiter auf direktem Weg nach Hause fahren und dort die häusliche Quarantäne einhalten müssen.

Kilian Pfeiffer

Mehr aus Berchtesgaden
Einstellungen