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Wegen des G 7-Gipfels finden derzeit Grenzkontrollen in großem Stil statt, auch am Grenzübergang Hangendenstein. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Anstehender G 7-Gipfel: Ein Besuch an der Grenzkontrollstelle Hangendenstein bei Marktschellenberg

Marktschellenberg – Dass das Auto keinen Versicherungsschutz mehr hat, ist Pech für die Fahrerin. »Wir müssen zwangsentstempeln«, sagt Polizeihauptkommissar Christof Irrgang am Grenzübergang Hangendenstein an der Bundesstraße B 305. Für die Dame ist die Fahrt zu Ende. Im Zuge der groß angelegten Grenzkontrollen zum G 7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen ist das aber nur ein Nebenschauplatz.


Die Grenzkontrollen zum anstehenden G 7-Gipfel laufen auf Hochtouren. Es gilt, im Vorfeld des Spitzentreffens die Sicherheit zu gewährleisten. Wie viele Grenzkontrollstellen in Bayern existieren, wissen nicht einmal Polizeihauptmeister Ronny Probst und dessen Kollegen, die Polizeihauptkommissare Christof Irrgang und Sebastian Müller. Das Trio ist eines von vier mobilen Presseteams der Bundespolizei, die im Zuge des G 7-Gipfels durch Bayern reisen und am Veranstaltungsort unterstützen. Tausende Beamte der Landes- und Bundespolizei aus dem gesamten Bundesgebiet sind in Garmisch-Partenkirchen im Einsatz, Vertreter des Bundeskriminalamtes, Unterstützungskräfte.

Die Grenzkontrollen am Grenzübergang Hangendenstein bei Marktschellenberg, im Südosten Bayerns, sind Teil des enormen Aufwandes, den der Bund für den G 7-Gipfel unternimmt. Tausende Fahrzeuge passieren jeden Tag die Grenze. Die Bundespolizei hat mehrere Versorgungscontainer errichtet, mobile Arbeitsplätze in grauen Blechkästen. Polizeifahrzeuge säumen die Randbereiche der Bundesstraße. Zehn Bundespolizisten sind für Vorauslese und Kontrollen zuständig. Nicht alle Kontrollen stoßen dabei auf Begeisterung unter den Autofahrern. »Die Bundespolizei hat viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben, damit Bürger gut informiert sind«, sagt Polizeihauptkommissar Sebastian Müller.

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Die Beamten nehmen die Dokumente in Augenschein.

Ein Rennradfahrer passiert die Grenze und bleibt stehen. Wieso hier so viel Polizei stehe, will er wissen. »Grenzkontrollen«, sagt ein Polizeibeamter. »Das sehe ich auch«, entgegnet der Radler frech. »Wegen des G 7-Gipfels«, sagt der Polizist. Der Radfahrer lächelt und fährt weiter.

Geschultes Auge

»Profiler«, nennt Christof Irrgang denjenigen Beamten, der die Polizeikelle schwingt und die Vorauslese betreibt. »Ein Beamter mit geschultem Auge«, sagt der Hauptkommissar. Der Mann mit der Kelle entscheidet darüber, wer unkontrolliert bleibt, wen er anhält und wer zur weiteren Inaugenscheinnahme an die Kontrollstelle fahren muss. Meist sind es Fahrzeuge mit einem ausländischen Kennzeichen oder aus weiter entfernten Teilen der Bundesrepublik, die ins Blickfeld geraten. »Wenn die hinteren Scheiben verdunkelt sind, ist es wahrscheinlich, dass wir mal einen Blick reinwerfen möchten«, sagt ein Polizeibeamter.

An der Kontrollstelle warten fünf Beamte auf Arbeit: Im Minutentakt wird kontrolliert, wenn auf der Straße viel los ist. An Wochenenden mehr als unter der Woche, 24 Stunden am Tag, klassischer Schichtdienst.

Bei den Kontrollen werden die Einreisevoraussetzungen abgeprüft, Personaldokumente gecheckt und auf Fälschungsmerkmale hin untersucht. »Manipulierte Geburtsdaten gibt es ebenso wie ausgetauschte Lichtbilder«, klärt Sebastian Müller auf. Mithilfe ihrer Smartphones ist es den Beamten möglich, Daten abzugleichen. In der Fahndungsdatenbank werden die Kontrollierten überprüft. »Das ist vergleichbar mit einer App«, sagt Sebastian Müller.

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Ausländische Kennzeichen haben gute Chancen, bei der Einreise von den Bundespolizisten kontrolliert zu werden.

Ein Leihwagen mit Wiesbadener Kennzeichen ist nun dran. Keine Beanstandungen seitens der Gesetzeshüter. Kurz darauf folgt ein Gelenkbus aus Salzburg, der fast leer ist. Der Fahrer und die Passagiere müssen sich trotzdem einer Kontrolle unterziehen. Der Beamte mit der Kelle hat den Bus herausgewunken. Die Polizisten betreten das Fahrzeug mit Masken. Kurze Zeit später darf der Bus weiterfahren. Weniger Freude hat eine Frau. Bei der Überprüfung ihrer Dokumente stellen die Bundespolizisten fest, dass der Versicherungsschutz des Fahrzeuges abgelaufen ist.

Für die Frau, die etwas nervös wirkt, heißt das: Den Pkw stehen lassen. Darüber hinaus erwartet sie ein Bußgeld. »Hin und wieder lassen wir uns auch das Auto zeigen und untersuchen es auf gefährliche Gegenstände«, sagt Sebastian Müller. Im Zuge der Grenzkontrollen hatten Bundespolizisten vor kurzem einen genehmigten Waffentransport am Grenzübergang Mittenwald gestoppt, weil die Ladung nicht nach Vorschrift gesichert war. Ein Auge werfen die Polizeibeamten auch auf illegale Migration. »Aber das steht nicht in unserem Fokus«, sagt Hauptkommissar Christof Irrgang.

Verständnis der Bürger

Wie viele Kontrollen am Grenzübergang Hangendenstein in den vergangenen Tagen durchgeführt wurden, darüber hat man bei der Bundespolizei keine Kenntnis. Generell gilt: Über Zahlen will man bei der Bundespolizei nicht reden. Erst im Nachgang des Gipfels, heißt es. »Insgesamt läuft es an den Grenzen sehr flüssig. Das Verständnis unter den Bürgern für die Kontrollen ist gegeben«, sagt Christof Irrgang, der wegen des G 7-Gipfels aus Aachen in Nordrhein-Westfalen nach Bayern gerufen wurde. Sebastian Müller leistet seinen Dienst gewöhnlich in Frankfurt, Ronny Probst wurde aus dem Osten der Republik in den Freistaat beordert.

Nach Abschluss des G 7-Gipfels werden die Polizeibeamten wieder in ihre Heimat fahren. Arbeit im Süden Bayerns, das sei eine gute Abwechslung, sagt Polizeihauptmeister Ronny Probst. »Sonst hätte ich die Region ja nie kennengelernt.«

Kilian Pfeiffer