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200 Struber Jager gehen für ein halbes Jahr nach Mali

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Verabschiedungsappell des Gebirgsjägerbataillons 232 auf dem Berchtesgadener Schlossplatz
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Marktbürgermeister Franz Rasp (l.) gab Bataillonskommandeur Martin Sonnenberger dieses Berchtesgaden-Schild mit in den Einsatz. Es soll die Jager an die Heimat erinnern.
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Das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen sorgte für die musikalische Untermalung des Appells.
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200 Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen gehen demnächst in den Auslandseinsatz nach Mali. Gestern wurden sie auf dem Berchtesgadener Schlossplatz feierlich verabschiedet. (Fotos: Wechslinger)

Berchtesgaden – Die Struber Jager müssen erneut in den Auslandseinsatz. 200 Soldaten des Bischofswieser Gebirgsjägerbataillons 232 werden für ein halbes Jahr nach Mali gehen. Zum Verabschiedungsappell traf man sich am Freitag auf dem Berchtesgadener Schlossplatz.


Dazu waren die Einsatzsoldaten bereits in ihren Tarnanzügen angetreten, die im Standort verbleibenden Truppenteile traten in »Oliv« an. Musikalisch untermalt wurde der Appell vor zahlreichen Zuschauern und Ehrengästen vom Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen.

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Bataillonskommandeur Oberstleutnant Martin Sonnenberger freute sich, mit Oberst Stefan Leonhard und Oberst Hans Sahm auch zwei seiner Vorgänger zum Verabschiedungsappell begrüßen zu dürfen. Oberst Leonhard wird im Mali-Einsatz als Kontingentführer in Westafrika Verantwortung tragen.

Sonnenberger beschrieb in seiner Rede den Zwiespalt der Gefühle bei den Soldaten, die einerseits von Anspannung, andererseits von Vorfreude geprägt seien. Auch spiele bei manchen eine jugendliche Abenteuerlust mit, befand der Bataillonsführer, der schließlich auf den Blauhelmeinsatz zu sprechen kam. So werde man mit über 13.000 Militärs aus 56 Staaten von fünf Kontinenten die Umsetzung des Friedensprozesses unterstützen.

Viele Konflikte in Mali

Die Gründe für den Konflikt in Mali sind vielschichtig. Es geht dabei vor allem um Auseinandersetzungen zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten, die sich durch den Klimawandel noch verschärfen. Ferner gibt es Streit über den politischen Einfluss zwischen der Zentralregierung in der Hauptstadt Bamako und der Bevölkerung, vornehmlich im Norden des Landes. Auch Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen sorgten zusammen mit dem internationalen islamistischen Terrorismus für eine Verschärfung der Lage, erklärte Sonnenberger.

Der Kommandeur blickte ins Jahr 2012 zurück, als die Tuareg durch einen Aufstand gegen die Zentralregierung mit der Folge eines Militärputsches zur Destabilisierung der Lage beigetragen hatten. Islamistische Terrorgruppen, die mehr oder weniger eng mit Al Qaida und dem so genannten IS verbunden sind, nutzten die Instabilität, um an Einfluss zu gewinnen. Dadurch fiel der gesamte Norden Malis an die Aufständischen, die daraufhin den Scharia-Staat Azawad ausriefen.

Nach einem Hilfeersuchen der zwischenzeitlich gewählten Übergangsregierung intervenierte die französische Armee in Mali und drängte die Aufständischen zurück. Mit dem Friedensvertrag von Algier wurde 2015 die Grundlage für eine Aussöhnung der Konfliktparteien und Reintegration der aufständischen Kämpfer geschaffen. So gibt es bereits seit 2013 das Mandat des UN-Sicherheitsrates für die Stabilisierungsmission »Minusma«, die den Auftrag hat, die Vereinbarungen zur Waffenruhe zu überwachen und die Umsetzung des Abkommens von Algier für Frieden und Aussöhnung zu unterstützen.

Bewachung des Feldlagers »Camp Castor«

Der Auftrag der Bataillonsteile 232 in Mali beinhaltet die Sicherung und Bewachung des Feldlagers »Camp Castor« und des Flughafens in Goa sowie die Unterstützung der Aufklärungskompanie des Gebirgsjägerbataillons 230 aus Füssen. Der Einsatz sei kein Kampfauftrag, so der Kommandeur. Gleichwohl sei man vorbereitet, falls es einer werden sollte. Seine Truppe habe zuletzt bei Gefechtsübungen bewiesen, wozu sie fähig sei, machte Sonnenberger deutlich. Daran änderten auch Diskussionen um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr nichts. Man werde wachsam vorgehen und in einem halben Jahr möglicherweise von ereignislosen und langweiligen Zeiten sprechen.

Die tägliche Realität werde aber auch von der Zusammenarbeit mit verbündeten Kräften anderer Nationen geprägt sein. Man gehe mit dem Mandat der Weltgemeinschaft und als Teil eines umfassenden zivilen, polizeilichen und militärischen Engagements für ein stabileres Mali in diesen Einsatz. Die Sahelzone als erweiterte südliche Nachbarschaft der EU habe auch unmittelbare Bedeutung für Deutschland. Die Verhinderung von internationalem Terrorismus und Migration seien dabei zwei große Überschriften, unter denen der Einsatz stehe, führte der Kommandeur aus und machte deutlich, dass auch auf die zurückbleibenden Kräfte viel Arbeit zukomme. Für das Gebirgsjägerbataillon 232 schließe sich nach 25 Jahren ein Kreis, der einst mit dem ersten Einsatz in Somalia begonnen und sich in Zweijahrestakten fortgesetzt habe.

Bürgermeister Franz Rasp machte deutlich, wie schwer die Trennung von den Familien sei und dankte jenen, die die Familien in der Heimat unterstützen. Die in den Einsatz ziehenden Soldaten lobte Rasp für ihr humanitäres Verhalten zum Wohle der malischen Bevölkerung. Den Gebirgsjägern werde ganz allgemein großes Vertrauen entgegengebracht. »Wenn es jemand schafft, dann Ihr Gebirgsjäger«, rief Rasp dem angetretenen Kontingent zu. Der Rathauschef wünschte allen Soldaten, in einem halben Jahr unversehrt an den Standort zurückzukehren.

Berchtesgadener Ortsschild als Geschenk

Als äußeres Zeichen der Verbundenheit übergab Berchtesgadens Bürgermeister dem Bataillonskommandeur ein Berchtesgadener Ortsschild, das im Feldlager »Camp Castor« wohl einen Ehrenplatz bekommen wird. Christian Wechslinger