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Der Heimatkalender 2019 dreht sich unter anderem um die Nahversorgung in früherer Zeit – Bekannte Berchtesgadener Persönlichkeiten

Eikaffn geh im Nonntal und beim Triambacher

Berchtesgaden – Der Heimatkalender 2019 entführt den Leser dieses Mal mit besonders vielen spannenden Fotos in die Vergangenheit. Dazu kommen unterhaltsame Texte, wie »Eikaffn geh«. Heute kaum vorstellbar: Das Nonntal im Markt Berchtesgaden war einst eine belebte Einkaufsstraße.

Die Geschichte des Galoppschnitzers Jakob Süß ist im neuen Heimatkalender zu finden. (Foto: privat)
Früher war der Kauf des Karfreitagsfisches noch ein Abenteuer. (Foto: Marktarchiv Berchtesgaden)
Heute ist es kaum zu glauben, dass das Nonntal einst eine richtige Einkaufsstraße war. Dieses Bild ist im Heimatkalender betitelt mit »Lebensmittel in der früheren Fragnerei Ladldoffei«. (Foto: privat)

Auch Nachdenkliches hat der Heimatkalender zu bieten, etwa einen Beitrag über die Stolpersteine Hallein. Herausgeberin Rosemarie Will hat auch viele Geschichten über bekannte Berchtesgadener Persönlichkeiten gesammelt, wie »S Louh Katherl«, Kameramann Günter Grainer oder den Galoppschnitzer Jakob Süß.

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Selbst wenn es nur Schwarzweiß-Fotos sind, sie strotzen nur so vor Leben und Geschichten aus alter Zeit. Herausgeberin Rosemarie Will hat sich dieses Mal auf die alten Bilddateien fokussiert und besonders aussagekräftige Exemplare im Heimatkalender 2019 gesammelt. Nicht minder spannend sind die Geschichten aus dem alten Berchtesgaden und Umgebung.

Von der Nahversorgung aus früheren Zeiten bekommt der Leser einen guten Eindruck, wenn er die Geschichte von Katharina Huber mit dem Titel »Eikaffn geh« liest. Sie beschreibt ihren Weg, damals als zwölfjähriges Mädchen, von der Maria Gern zum »Triambacher« in den Markt, und wie viele Geschäfte es seinerzeit gab. Ebenso interessant liest sich der Text »100 Jahre Nahversorgung in Ramsau« von Alois Resch. Er schreibt: »Verkaufsverpackungen waren damals noch unbekannt. Kaffee, Tee, Zucker und Mehl wurden lose in Säcken oder Kisten verpackt vom Großhändler angeliefert. Beim Einkauf wurde für den Kunden die gewünschte Menge abgewogen und in Tüten eingepackt.«

Weniger appetitlich, aber dafür umso lustiger, ist die Geschichte »Der Karfreitagsfisch«. Franz Grüsser schafft es mit seiner anschaulichen Erzählung, dass sich der Leser beinahe die Nase zuhalten möchte, um den Fischgestank nicht riechen zu müssen. Grüsser berichtet von dem damals abenteuerlichen Vorhaben, einen Fisch beim Fischhändler Georg Kaiser in der Metzgerstraße 3 zu kaufen. Dort befand sich das Geschäft bis 1969. Die Geschichte beginnt mit der Anlieferung der Fische in Fässern auf einem Lkw und des Stangeneises, das mit einem Ochsenkarren gebracht wurde. »Mit dem stinkenden Fischwasser aus den Fässern wurden die Hinterlassenschaften der Ochsen zur Straßenmitte gespült. Durch Fladen und Harn der Ochsen, mit würzigem Nordseefischwasser gemixt, entstand besonders bei Sonnenschein in der Metzgerstraße ein derart ekelerregender Gestank, den man heute nur noch in unterentwickelten Ländern der Welt nachempfinden kann.« Auch wenn man das alte Berchtesgaden nicht selbst erlebt hat, dank der Geschichten des Heimatkalenders wird es wieder lebendig. Manch einer hat schon einmal vom Galoppschnitzer Jakob Süß gehört, der ab 1900 in Königssee »auftauchte«. »Sein Aussehen glich dem eines Räuberhauptmannes«, ist im Kalender zu lesen. Die Geschichte stammt aus den Erinnerungen des Kanzlei-Obersekretärs Bachmaier, »Bergheimat 1937«. Auch die Lebensgeschichte des Automatenbauers, Regisseurs und Kameramanns Günter Grainer ist festgehalten, von seinem Sohn Günter Grainer.

Bei einer Betrachtung der Bauprojekte im Talkessel wird der Bogen vom Bau der Roßfeld-Höhenringstraße 1933 bis hin zur aktuellen Jennerbahn-Baustelle gespannt. Auch andere Bauwerke finden Erwähnung, es lohnt sich, hier die vielen kleinen Geschichten des Heimatkalenders durchzulesen, die oft einen neuen Blickwinkel auf Kleinigkeiten eröffnen. So erfährt der Leser unter anderem, was ein »Houdiebock« ist.

Die Hauptsache, der Kalender selbst, ist mit Bildern gespickt, auf denen sich viele Menschen tummeln. Dazu gibt es Gedichte, die zum Nachdenken, Träumen und auch Schmunzeln einladen.

Der Heimatkalender 2019 hat 192 Seiten, kostet 8,90 Euro und ist erhältlich beim »Berchtesgadener Anzeiger«/Schreibwaren Miller, Dr. Imhof-Straße 9, Berchtesgaden, Telefonnummer 08652/95840 sowie im Buch- und Zeitschriftenhandel. Annabelle Voss