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Ein Idyll für behinderte Kinder im Schneewinkl

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Bei der Dornröschen-Aufführung waren alle mit Herz dabei: Behinderte und nicht behinderte Kinder dachten sich gemeinsam mit den Betreuern ein kleines Theaterspiel aus und führten es den Eltern vor. Foto: privat

Schönau am Königssee – Sie hatten für zwei Wochen ihren Wunschort gefunden: 16 Kinder und junge Erwachsene im Alter zwischen drei und 21 Jahren kamen im Hort der Schneewinklschule zusammen und verbrachten ihre Ferientage miteinander. Sie spielten, bastelten, kochten und aßen zusammen und genossen die Fürsorge und Aufmerksamkeit, die ihnen ein großes Betreuerteam widmete. Manche Kinder waren schwer behindert, andere jedoch völlig fit – im Laufe der Zeit wuchsen sie zu einer netten Gemeinschaft zusammen, bei der die Liebenswürdigkeiten und Eigenheiten eines jeden als solche und nicht unbedingt als Behinderung angesehen wurde.


Gespannte Ruhe vor dem großen Auftritt: Am vorletzten Tag der Ferienbetreuungswochen sind die Eltern eingeladen und haben in der Aula des Horts der Schneewinklschule Platz genommen. Die Kinder führen ein kleines Theaterstück zu dem Lied »Dornröschen war ein schönes Kind« auf, eine anrührende kleine Inszenierung, bei der jedes Kind in irgendeiner Form beteiligt ist – und sei es dadurch, dass die Rosenhecken-Kulissen mit dem Kind im Rollstuhl heran rollen.

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Zehn Tage lang haben die Kinder an Dekorationen und Kostümen gebastelt, haben Faschingskisten durchforstet, Hüte, Schleier und Rüschen zurechtgeschnitten – die Vorfreude auf die kleine Aufführung ist ihnen jetzt deutlich anzumerken. Sogar der Hund Shanty der Freizeitleiterin Antje Czesky darf mitspielen: Er wurde kurzerhand in das Pferd umkostümiert, das den rettenden Prinzen herbei bringt.

Die Eltern und Betreuer waren stolz auf ihre Kinder und sparten nicht mit Applaus. Ihnen war aber nicht erst mit dieser kleinen Vorführung klar geworden, dass sich ihre Kinder in dieser Ferienbetreuung sehr wohl gefühlt hatten. Durch die zweiwöchige Freizeit wurden die Familien entlastet, konnten ihrer Arbeit nachgehen oder selbst ein wenig Erholung suchen von dem oftmals doch recht anstrengenden Alltag mit einem behinderten Kind. Auch nicht behinderte Geschwister durften an der Freizeit teilnehmen, die der Verein Behinderten-Integration Berchtesgaden seit über zehn Jahren für die einheimischen Kinder organisiert.

In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Berchtesgadener Land als segensreich erwiesen: »Wir als Verein, in dem überwiegend die Familien mit behinderten Kindern selbst organisiert sind, waren stark eingespannt, um diese Freizeit zu organisieren. Die Lebenshilfe hat mit ihrem »Familienentlastenden Dienst« eine perfekte Struktur, um für Betreuer und Vorbereitungen zu sorgen«, schildert Sven Hosse, der Vereinsvorsitzende der Behinderten-Integration Berchtesgaden. So war es auch möglich, die Betreuung von den zwei Ferienwochen auf etwa 20 zusätzliche Samstage im Jahr auszuweiten, was die Familien sehr dankbar nutzen.

Antje Czesky, eine ausgebildete Krankenschwester mit großem Organisationstalent und der nötigen Gelassenheit, leitet die Freizeiten seit Anfang dieses Jahres. Dabei arbeitet sie mit einer großen Gruppe von ehrenamtlichen Helfern – viele Schülerinnen, ein Abiturient, aber auch zwei Frauen, die mit ihrer Ruhe und ihrem Sinn für Ordnung sehr hilfreich sind – zusammen. Sie hatte sich im Vorfeld ein umfangreiches Programm ausgedacht, mit zahlreichen Ausflügen und Aktionen. Nachdem jedoch sowohl Kinder als auch Betreuer den ersten Ausflug ins Freilichtmuseum nach Großgmain als zu anstrengend befunden, zeigte sie sich flexibel und ließ die Gruppe ihre Aktivitäten vornehmlich im Hort bei der Schneewinklschule und dem umliegenden, vielfältigen Freigelände entfalten.

Die beiden Vereine sind der Leiterin der Kindertagesstätte, Irmgard Wucher, und der Gemeinde Schönau am Königssee dankbar, dass sie diese Räumlichkeiten nutzen dürfen. Daher war es auch kein Thema, als die Gemeinde mit der Bitte an sie herantrat, einen kleinen Jungen, der aufgrund einer familiären Notsituation eine Betreuung brauchte, in die Gruppe aufzunehmen. Anfangs war dem Sechsjährigen zwar das Verhalten mancher behinderter Kinder nicht immer geheuer, da er anders als die Geschwisterkinder gar nicht mit Behinderungen vertraut war. Aber er fühlte sich bald wohl in der Gruppe und war wunderbar integriert.

Aus der Sicht von Thomas Küblbeck, dem Leiter Offene Hilfen bei der Lebenshilfe Berchtesgadener Land, war diese Ferienfreizeit eine vorbildliche Form, um Behinderte in die Gesellschaft zu inkludieren. ERK