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»Felicitas« öffnet die Tore für junge Flüchtlinge

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Jugendliche Flüchtlinge, die ohne Begleitung unterwegs sind, haben im Stanggaßer Altenheim »St. Felicitas« eine vorläufige Bleibe gefunden. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Sieben jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien und dem Irak sind seit wenigen Tagen im Caritas Altenheim »Felicitas« in der Stanggaß untergebracht. Im Altbau des Gebäudes, der vom eigentlichen Altenheim abgetrennt ist, werden sie derzeit von Fachkräften intensiv sozial betreut.


»Unbegleitete Jugendliche« lautet im Bürokratendeutsch der Begriff für Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern im Nahen und Mittleren Osten oder in Afrika auf eine Tausende Kilometer weite Reise nach Europa geschickt werden. Weil die Lage im eigenen Land so katastrophal ist, drücken die Eltern ihren Sprösslingen etwas Geld in die Hand und lassen sie in ein vermeintlich besseres Leben ziehen.

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Bundesweit sind es immer mehr Minderjährige, die an der Grenze oder bereits im Land aufgegriffen werden. Und weil die Kinder und Jugendlichen nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht werden dürfen, sondern eine besondere Betreuung brauchen, sind die Regierungen und Landkreise oft vor Probleme gestellt. So ist es auch im Landkreis Berchtesgadener Land, wo täglich minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern von der Polizei aufgegriffen werden. Sie haben in der Regel eine monatelange, entbehrungsreiche, oft lebensgefährliche Flucht hinter sich.

Sieben Jugendliche konnte man jetzt auf Bitten des Landratsamtes im Altenheim »Felicitas« in der Stanggaß unterbringen, wo die Caritas im Altbau eine sogenannte Clearingstelle eingerichtet hat, in der die Jugendlichen bleiben können, bis sie für die Dauer ihres Asylverfahrens in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht werden können.

Die Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren aus Afghanistan, Syrien und dem Irak werden von Mitarbeitern der Caritas betreut. Weil sie teilweise seit zwei Jahren auf der Flucht sind und Schlimmes erlebt haben, sind einige von ihnen schwer traumatisiert. Sie werden deshalb in der »Felicitas« therapiert und mit dem Nötigsten versorgt. Außerdem wird ihnen ein Kontakt zu ihren Familien in der Heimat ermöglicht. Sie erhalten intensiven Deutschunterricht und werden mit der Umgebung und der Kultur vertraut gemacht. Eine aktuelle Aufgabe der Betreuer ist es beispielsweise, die Jugendlichen mit dem bevorstehenden Buttnmandllaufen bekannt zu machen. Dazu wollen sie im Vorfeld ein Kramperl in die »Felicitas« einladen, das den Jugendlichen diesen Brauch erklärt.

Aufgabe einer Clearingstelle ist es auch, mit den Jugendlichen gemeinsam zu erarbeiten, auf welchem schulischen Niveau sie sich befinden, gegebenenfalls Zeugnisse zu beschaffen und die nächsten Schritte in Richtung Schule oder Ausbildung zu planen.

Am Dienstag informierte die Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in der Erzdiözese München und Freising, Doris Schneider, die Bewohner und Angehörigen des Altenheims »Felicitas« über die Unterbringung der jugendlichen Flüchtlinge. Nach ihren Worten wird der Altbau mit seinen etwa 20 Zimmern komplett vom neuen Teil abgetrennt und hat bereits einen eigenen Eingang. Ein Durchgang zwischen den beiden Gebäudeteilen ist nicht mehr möglich. »Für die alten Menschen ist das Heim ihr Zuhause und diese Privatsphäre wollen wir unbedingt schützen«, sagte Schneider. Die Bewohner und Angehörigen sollen nach Caritas-Angaben großes Verständnis dafür geäußert haben, dass der Altbau für jugendliche Flüchtlinge genutzt wird.

»Meines Wissens gab es keine Probleme«, sagt auch Andreas Bratzdrum, Pressesprecher des Landratsamtes. Der geht davon aus, dass es in den nächsten Wochen vor Weihnachten noch zu weiteren Aufgriffen minderjähriger Flüchtlinge im Landkreis kommen werde. Bis zu 20 zusätzliche Kinder und Jugendliche, die ohne erwachsene Begleitung auf der Flucht sind, könnten dann noch in der »Felicitas« eine vorläufige Bleibe finden. Ulli Kastner