weather-image
26°

Hohe Schulden, aber voller Zuversicht

3.2
3.2
Bildtext einblenden
Marktbürgermeister Franz Rasp blickte in der Bürgerversammlung auf das Jahr 2015 zurück und stellte aktuelle Projekte vor. (Foto: Archiv/Fischer)

Berchtesgaden – Die Marktgemeinde Berchtesgaden sitzt auf einem Schuldenberg von rund 23 Millionen Euro, heruntergerechnet auf die derzeit 7 912 Einwohner des Ortes, ergibt es eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2 823 Euro. »Das ist zu hoch«, sagte Marktbürgermeister Franz Rasp anlässlich der Bürgerversammlung im »Bräustüberl« am Dienstag. Das war möglicherweise die schlechteste Nachricht, die Berchtesgadens Oberhaupt zu verkünden hatte. In seinen weiteren Ausführungen konnte er viel Positives berichten. Dinge, die großteils bereits veröffentlicht sind, von Franz Rasp aber noch einmal konzentriert gebündelt in Erinnerung gerufen wurden. In der anschließenden Diskussionsrunde konnte der Eindruck gewonnen werden, dass Berchtesgadens Bürger von keinen drückenden Sorgen geplagt werden. Polizeiinspektionschef Günther Adolph konnte von einem erneuten Rückgang der Kriminalität in der Region berichten und Befürchtungen zerstreuen, dass sich diese Quote durch die derzeit 97 Asylbewerber, die auf Berchtesgadener Gemeindegebiet leben, verschlechtert.


Knapp 8 000 Bürger leben in Berchtesgaden, die weibliche Fraktion ist dabei leicht in der Mehrheit. Allerdings kann die Einwohnerzahl durchaus nach unten gehen, weil den beispielsweise im Jahr 2014 registrierten 55 Geburten auch 126 Sterbefälle entgegenstehen. Der Markt, so bemerkte Franz Rasp im Nebensatz, habe einen hohen Altersdurchschnitt bei seinen Bewohnern.

Anzeige

Elf Asylbewerberkinder im Kindergarten

Viele neue Leser der Marktbücherei konnte Rasp vermelden und ein immenses Angebot an Lesestoff und anderen Medienangeboten aus dem eigenen Bestand sowie der Zugriffsmöglichkeit durch einen Bibliothekenverbund. Den märktischen Kindergarten besuchen derzeit 150 Kinder, unter ihnen 8 mit Behinderung, wobei »alle durch die gleiche Tür geben«, unterstrich Rasp, weil diese Kinder in die Gruppen integriert sind und oft nur die Kindergärtnerinnen wissen, welches Kind einer besonderen Förderung bedürfe. Integriert in die Kindergartenschar seinen auch 36 Kinder mit Migrationshintergrund, darunter 11 von Asylbewerbern. Die seit vergangenem Jahr bestehende Kinderkrippe sei momentan mit 24 Kindern belegt, so der Marktbürgermeister. Zudem biete man im Kindergartenrahmen in Kooperation mit Bacheifeldschule auch Deutschkurse an, was die Grundlage sei für den späteren Schulbesuch.

Das Schülerforschungszentrum hat mit Prof. Peter Hubwieser einen neuen Leiter, das ohnehin gut funktionierende Werk 34 habe mit einem neuen Aufzug Barrierefreiheit, die auch mit dem neuen Lift im Martin-Beer-Haus weiter gewährleistet wäre. Die Bruderhausstiftung sei überdies einer Prüfung unterzogen worden, aus der sie mit der Note 1,5 hervorgegangen sei.

»An der Frauenquote arbeiten wir noch«, räumte Franz Rasp beim Thema Feuerwehr ein. Aktuell beträgt sie 5,4 Prozent. Damen und Herren der Freiwilligen Feuerwehr hatten überdies 2015 ein normales Jahr, gemessen am Niveau der vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre. Demnächst werde die Einrichtung endlich den Digitalfunk bekommen.

Insgesamt habe man 5,25 Millionen Euro investiert, wobei die gut 1,4 Millionen Euro für Straßen und Wege sowie die 1,8 Millionen Euro für den Ausbau von Wasserversorgung und Kanal herausragten. Die Beschaffungen für die Feuerwehr bewegten sich dagegen in bescheidenem Rahmen von gerade einmal 138 000 Euro. Rasp stellte im Folgenden an verschiedene Projekte, die von der Marktgemeinde zu stemmen waren und realisiert wurden. So hätten die Mitarbeiter des Wasserwerkes nachts und von der Bevölkerung kaum wahrgenommen, den Bruch der 40 Zentimeter im Durchmesser und mittlerweile rund 100-jährigen Hauptwasserleitung vollbracht.

Die Arbeiten am Almbachweg würdigte der Marktbürgermeister ebenso wie die an der Rossfeldalm-Pumpstation, am Metzenleitenweg und der Gerer Klamm, die mit verzinkten Stahlbrücken jahrzehntelang ein sicheres Passieren biete.

Die bisher die Stanggaß von Berchtesgaden aus mit Wasser und Abwasser bedienten Leitungen werde man nach 50 Jahren mit Beginn des kommenden Jahres an die Gemeinde Bischofswiesen übergeben. Und Erwähnung fand auch der neue »Rekord« des Bauhofes, der im letzten zwar nicht strengem, doch langem Winter 1 200 Tonnen Streusalz verbrauchte, um Straßen und Wege sicherer zu machen. Neu war sicher einigen Zuhörern, dass die Hilgerkapelle ein gemeindliches Bauwerk ist, dessen Turm nach einem Blitzschlag wieder im Glanze strahlt. Die gute Nachricht von Rasp dabei: »Das Gebäude war versichert.«

Hohe Verschuldung

Die Übersicht über die gemeindliche Verschuldung und der Ausblick auf künftige Vorhaben bildeten den Abschluss in Rasps Resümee. Der Markt hat rund 23 Millionen Euro Schulden, doch die Aufgaben verringern sich nicht parallel zum Abbau. Als Beispiel nannte der Marktbürgermeister den Kindergarten. Hier werde man im kommenden Jahr bei den Personalkosten die 1-Millionen-Euro-Marke überschreiten. Etwa 5 Millionen Euro müssten noch für Wasser und Abwasser investiert werden, daher seien Gebührenanhebungen unabdingbar.

Polizeiinspektionschef Günther Adolph hatte die aktuelle Kriminalitätsstatistik parat. Bundesweit registrierte man 2014 je 1 000 Bürger 75 Straftaten, in Berlin beispielsweise 131. In Berchtesgaden senkte sich die Zahl auf zuletzt 40. Trotz Asylbewerber fügte Adolph an, auf die »Gerüchteküche« reagierend. Rund 800 seien vor der Grenzkontrolle über die nahen Zugänge gekommen, nun seien es deutlich weniger, die dann geordnet nach München in die Erstaufnahmelager weiter gebracht würden. »Alles verläuft ruhig und friedlich«, sagte er.

Ein Bürger berichtete dazu, dass er drei Flüchtlinge getroffen hätte, die nach Stuttgart wollten, denen er aber geraten habe, sich bei der örtlichen Polizeiinspektion zu melden. Was Adolph als richtig gehandelt bestätigte. »Wenn Sie sie ins Auto laden und selbst bringen, sind Sie Schleuser«. Auch, wenn es mal einen falschen Alarm gebe, wie den, dass sechs Flüchtlinge in der Nähe des Hotels »Seimler« gesichtet wurden. Die anfahrende Streife konnte dann feststellen, dass es sich bei den Flüchtlingen um japanische Touristen handelte.

In der anschließenden Diskussion regte eine Dame an, an der Salzburger Straße einen Altglascontainer aufzustellen, wofür sie eine Prüfung zugesagt bekam. Außerdem störten sie die abends auf dem Bürgersteig parkenden Autos, vor allem im Nonntal. Günther Adolph ermunterte die Bürger, bei der Polizei anzurufen, dann werde man die Falschparker zur Verantwortung ziehen können. Dieter Meister