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"Ich habe die Veranstaltung nicht missbraucht"

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Der Verschwörer von den Freien Wählern? Fraktionssprecher Michael Koller kann über diesen Vorwurf lachen. »Ich habe mit der Organisation des Mittelschul-Infoabends rein gar nichts zu tun«, betont er. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Er war der Buhmann in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates: FW-Fraktionssprecher Michael Koller. Und das, obwohl er nicht da war. Immer wieder lasteten ihm Räte verschiedener Fraktionen indirekt an, er sei der Hintermann der seltsamen Info-Veranstaltung zur Zukunft der Mittelschule. Der »Berchtesgadener Anzeiger« fragt nach.


Herr Koller, wo waren Sie denn am Montagabend? Ganz zufällig verhindert?

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Michael Koller: Ich bin die ganze Woche auf Klassenfahrt im kroatischen Pula.

Gut, dann konnten Sie nicht an der Sitzung teilnehmen.

Koller: Ich habe mich davor extra erkundigt, wann die Mittelschule das nächste Mal im Gemeinderat behandelt wird. Und habe erfahren, dass das im November der Fall sein wird. Ich konnte doch nicht riechen, dass es jetzt eine Diskussion unter dem Tagesordnungspunkt »Sonstiges« gibt.

Einer der Kritikpunkte war Ihre Anwesenheit beim Infoabend. Obwohl doch angeblich kein Gemeinderat eingeladen war.

Koller: Ich war auch nicht eingeladen. Aber mein Chef, Pfarrer Frauenlob, hat kurzfristig eine Einladung erhalten, weil bekannt ist, dass er den Mittelschulstandort Berchtesgaden unterstützt. Er hat zugesagt und mich gebeten, ihn zu begleiten. Mir war das recht. Denn erstens bin auch ich für diesen Standort. Und zweitens hatte ich an den beiden Ortsterminen in den Schulen für die Gemeinderäte nicht teilnehmen können.

Aber die meisten Gemeinderäte waren halt nicht da.

Koller: Also, bitte. Ich kann doch nichts dafür, dass ich von dieser Veranstaltung gewusst habe. Warum hat denn Bürgermeister Rasp den Gemeinderat nicht informiert? Das wäre schon sinnvoll gewesen, dass politische Mandatsträger an so einem Abend teilnehmen.

Mehrere Gemeinderatskollegen haben Ihnen vorgeworfen, Sie hätten den Infoabend als politisches Forum missbraucht.

Koller: Das stimmt in keinster Weise. Ich habe fast eine Stunde lang keinen Laut von mir gegeben. Ganz nebenbei: Franz Rasp saß schon nach drei Minuten auf dem Podium und hat 45 Minuten lang referiert. Über Dinge, von denen ich teilweise noch nie etwas gehört hatte. Zum Beispiel über die angedachten 40 Wohnungen im Berchtesgadener Mittelschulgebäude, falls dieser Standort wegfallen sollte. Interessanterweise hatte es noch in der Hauptausschusssitzung am Montag zuvor eine offizielle Anfrage der Freien Wähler zur Zukunft der Mittelschule gegeben. Die aber nicht beantwortet worden war.

Jetzt mal ganz ehrlich: Haben Sie diesen Infoabend eingefädelt, um einen politischen Vorteil daraus zu ziehen?

Koller (lacht): Ich finde es schön, dass mir manche Gemeinderatskollegen das zutrauen. Dass sie glauben, ich hätte so viel Macht und Möglichkeiten, die Schulleitung, den Elternbeirat und sogar Pfarrer Frauenlob zu manipulieren und zu instrumentalisieren. Aber ich sage es jetzt nochmals ganz deutlich: Ich habe da im Hintergrund überhaupt nichts gemacht. Christian Fischer