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Watzmann: Philipp Reiter knackt Ostwand-Rekord

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Watzmann - Schönau - Ostwand
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Der Reichenhaller Philipp Reiter knackte den eigenen Watzmann-Ostwand-Rekord: In 1:52:55 Stunde bewältigte der 27-Jährige den »Berchtesgadener Weg« von St. Bartholomä zur Südspitze. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Als Philipp Reiter letzte Woche am Fuße der Watzmann-Ostwand stand, schoss dem 27-Jährigen spontan der Gedanke in den Kopf: »Zeit für einen neuen Rekord.« In nur 1:52:55 Stunde rannte er von St. Bartholomä bis hinauf zur Südspitze. Zuvor war er bereits über Kühroint nach St. Bartholomä gelaufen.


Die Watzmann-Ostwand gilt mit einer Wandhöhe von 1 800 Metern als die höchste durchgehende Felswand der Ostalpen. Ihre Durchsteigung bleibt trotz moderater Kletterschwierigkeiten im Bereich »3 plus« eine äußerst ernste Angelegenheit. Seit ihrer Erstdurchsteigung im Jahr 1881 durch Johann Grill und dem Wiener Alpinisten Otto Schück haben mehr als 100 Menschen diese Herausforderung mit dem Leben bezahlt – mehr als in der Eiger-Nordwand. Für die gut 3 000 Klettermeter mit 2 110 Höhenmetern, die beim »Berchtesgadener Weg« von St. Bartholomä aus zu absolvieren sind, benötigen manche Aspiranten auch schon einmal 14 Stunden und mehr. Insgesamt beträgt die Weglänge fast sieben Kilometer.

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Vor exakt 30 Jahren fing der Reichenhaller Albert Hirschbichler mit der »Rekordliste« an. 1988 »rannte« er in nur zwei Stunden und zehn Minuten von St. Bartholomä aus über die Eiskapelle durch die Ostwand zur Südspitze und stellte damit einen Rekord auf, der 27 Jahre Bestand haben sollte. Bis zum 27. August 2015: An diesem Tag gelang es Philipp Reiter und Martin Schidlowski, die Zeit von Albert Hirschbichler um rund sieben Minuten zu drücken: Die neue Bestmarke lag nun bei 2:02:53 Stunden.

Philipp Reiter ist erfahren genug, sich hier auf kein Himmelfahrtskommando einzulassen: Der heimische Extremsportler war bereits weltweit bei zahllosen Trailläufen, oft über mehrere Tage und in wilder Exponiertheit unterwegs – und dabei meist einer der Besten. Freilich war ihm bewusst: »Im Team wäre es sinnvoller, für den Fall, das etwas passiert.« Dennoch wagte er den Rekordversuch: »Ich weiß sehr wohl, was ich mache.« Das Restrisiko im Kopf gespeichert, nutzte Philipp Reiter einen dieser herrlichen Herbsttage in diesen Wochen für den »Ritt« durch die gewaltige Wand, die er von zahlreichen Durchsteigungen bestens kennt. Ziel war wieder die Südspitze, 2 712 Meter hoch und damit nur einen Meter niedriger als der höchste Punkt, die Mittelspitze. Der gebürtige Reichenhaller schaffte es. Nach 1:52:55 Stunde stand der in Trailrunner-Kreisen als »Zauberlehrling« bekannte Bergsportler glücklich oben am Gipfel.

Zurück bewältigte Philipp Reiter obendrein die Überschreitung des gewaltigen Gebirgsstocks über die Mittelspitze (2 713 Meter), das Hocheck (2 651 m) und das Watzmannhaus (1 930 m). Wohlbehalten kehrte er am Abend nach Hause zurück. Hans-Joachim Bittner