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Alles ausgebucht?

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Georg und Regina reisen seit 25 Jahren immer wieder in das Berchtesgadener Land. Auch Corona hält sie nicht davon ab. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgaden – Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein Wohnwagen oder ein Wohnmobil, denn diese verfügen über autarke Sanitäreinrichtungen. Die Schranken für einfaches Zeltcamping sind mangels dieser Einrichtungen noch geschlossen. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land aus? Die Redaktion hat sich umgehört.


Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen in Schönau am Königssee hätte sich mehr Ansturm erwartet. »Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.«

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Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar.

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. »Wir haben viele Zeltcamper und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden«, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. »Die Einschränkungen für die Zelte treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.«

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. »Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. »Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.« Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. »Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See«, spekuliert Jebinger. »Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.«

Auch in Berchtesgaden gibt es einen Sterne-Campingplatz beim Allweglehen. Der Platz ist über die gesamten Pfingstferien hinweg so gut wie ausgebucht. Im Jahr bringt es der Platz normalerweise auf 100 000 Übernachtungen. »Wir sind bis September ausgebucht«, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. »Der Anteil von ›normalen Campern‹ zur Luxusvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.« Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am 8. Juni wieder. Zielgruppen sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Das Ehepaar Georg und Regina reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. »Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegskur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 40 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 45 Jahren mit Regina verheiratet ist. »Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.« Gerd Spranger