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Berchtesgaden: Grab-Verlosung wird bundesweiter Medien-Hit – Per Los in die letzte Ruhe

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Berchtesgaden: Grab-Verlosung mit Riesen-Andrang – Gräber-Lotterie ein Hit
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Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp hat den Plan: Er zeigt den Besuchern und Medienvertretern den Wegweiser über den Alten Friedhof. 200 Plätze gingen am Mittwoch in einer großen Verlosung an den Mann – oder die Frau. (Foto: Tessnow)
Gräber-Verlosung in Berchtesgaden für 200 Grabplätze auf Altem Friedhof
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Großer Andrang für eine letzte Ruhestätte: rund 300 Bewerber und Medienvertreter aus der Region und weit darüber hinaus reisten an, um das skurille Event in Berchtesgaden zu verfolgen – oder sich einen der begehrten Grabplätze zu sichern. (Foto: Tessnow)
Gräberverlosung
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«Losfee» Katharina zieht während der Gräberverlosung einen Namenszettel aus der Urne. Foto: Peter Kneffel
Sieglinde Skriwan
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Sieglinde Skriwan aus Berchtesgaden freut zu Beginn der Gräberverlosung. Foto: Peter Kneffel

Berchtesgaden – Die Verlosung der 200 Grabplätze auf dem Alten Friedhof in Berchtesgaden ging heute Vormittag in die Endrunde. 300 Bewerber buhlten um die begehrten letzten Ruhestätten. Eine wahrlich ungewöhnliche Aktion.


Gleiche Chancen für alle: Das war das Motto der heutigen Gräber-Lotterie für die 200 letzten Grabplätze auf dem Berchtesgadener Friedhof. Eine Bestattungskultur im Wandel der Zeit? Wir waren für Euch vor Ort.

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Nur wer sich schriftlich angemeldet hatte und am Mittwochvormittag persönlich im AlpenCongress erschien, durfte an der Ziehung für eine letzte Ruhestätte teilnehmen. Wessen Los als Erstes verlesen wurde, hatte freie Platzwahl.

Der Markt Berchtesgaden hat mit der Neubelegung freier beziehungsweise ungenutzter Flächen die Aktion ermöglicht. In Zusammenarbeit mit einem Traunsteiner Planungsbüro wurde ebenfalls ein neues Erscheinungsbild des »Alten Friedhofs ausgearbeitet. Dafür müssen einige große Bäume weichen, junge sollen nachgepflanzt werden.

Medien aus aller Welt verfolgten das Event

Die Veranstaltung zog ein riesiges Medieninteresse mit sich. Der Beginn war eigentlich auf 9 Uhr angesetzt. Bis 10 Uhr jedoch bildete sich immer noch eine Bewerberschlange im Foyer des AlpenCongress. Bürgermeister Franz Rasp nutzte diese Zeit, um der großen Schar von Medienvertretern und Journalisten Frage und Antwort zu stehen. Vom BR war ein Team der »Abendschau« und »Quer« vor Ort. Auch ein Kamerateam von »Sat 1«, »Servus-TV« und diverse Radiosender fingen Stimmen und Meinungen für ihr Sendegebiet ein. Extra aus Berlin reiste sogar ein Journalist der Berliner Morgenpost an. Er hatte von der Veranstaltung über die deutsche Presseagentur erfahren und ist nach Berchtesgaden gefahren.

Manche Familien hatten sich gleich mit drei, vier oder acht Leuten beworben, um sicher zum Zuge zu kommen. »Der Ansturm der Bewerber überrascht uns nicht«, so Bürgermeister Rasp. Wohl aber der Presserummel: »Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir komplett das Sommerloch belegen.« Selbst der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira hatte ein Team nach Berchtesgaden geschickt.

Schon am Eingang des Großen Saals erwartete die Bewerber ein kleines Komitee und verglich deren Namen mit der Anmeldeliste. Anschließend erhielten die Teilnehmer ihr Los, welches dann in einen Glaskasten gesteckt wurde.

280 Bewerber erschienen im Großen Saal des AlpenCongress, um per Glück im Losentscheid eine Grabstätte oder einen Urnenplatz auf dem »Alten Friedhof« zugewiesen zu bekommen. Aber lediglich 200 hatte der Markt Berchtesgaden zu vergeben – rund 60 Urnengräber und 140 Erdbestattungsplätze. Das bedeute am Mittwochvormittag auch: Einige Interessenten würden vermutlich leer ausgehen.

Pietätlos oder gerecht?

Geschrieben wurde im Vorfeld viel, diskutiert noch mehr. Das Prozedere hatte sogar deutschlandweit Wellen geschlagen. Die einen hielten das Verfahren für grenzwertig oder pietätlos, die anderen wussten keine gerechtere Methode. Bereits drei Monate vorher hatte die Friedhofsverwaltung die zugeteilten Plätze mit nummerierten Schildern markiert. Die Anmeldefrist erlosch am 30. Juni.

Bericht der Abendschau heute ab 17.30 Uhr

Die Abendschau im BR Fernsehen berichtet heute (Mittwoch) ab 17.30 Uhr mit Interviews und Hintergründen über die Verlosung.

Bürgermeister Franz Rasp begrüßte die Bewerber und Medienvertreter und erklärte nochmals allen Anwesenden Sinn, Verfahren und Umsetzung. Auch er hatte mit solchem Medienspektakel nicht ganz gerechnet und scherzte es als Sommerloch-Thema ab. Die Bewerber konnten sich schon im Vorfeld einen Platz auf dem Friedhof aussuchen. In der Reihenfolge der Losziehung werden dann die Plätze vergeben.

Die Glücklichste wird Sieglinde Skriwan gewesen sein. Ihr Los wurde als Erstes vom Bürgermeister aus der Trommel gezogen. Die Berchtesgadenerin hatte nun freie Platzwahl. »Warum soll man sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen? Das gehört zum Leben dazu«, so die 53-Jährige nach der Ziehung. Gedacht ist die Grabstätte für sie und ihren Mann. Die beiden wählten ein Grab in der Nähe der Ruhestätte des Onkels ihres Mannes, »mittendrin« im Friedhof, »unter einem Baum« und »mit schöner Aussicht«.
Anschließend mussten sich die weiteren »Gewinner« in einer Austragungsliste bestätigen und »verewigen«. Über einen Beamer wurde der »Vergeben-Bestand« auf eine große Leinwand gelb projiziert.

Die Nachfrage vieler Bürgerinnen und Bürger einen Grabplatz mitten im Markt zu belegen war stets groß. Manche wollen oder können nicht zum Schönauer Bergfriedhof gehen. Heißt aber auch, so schrill es nach Gemeindeaussage klingt, dass der Friedhof wieder belebt werden soll. Auch die geplanten und dafür notwendigen Abholzungen auf dem »Alten Friedhof« finden wiederum nicht alle notwendig. Woher sonst aber den Platz nehmen?

Immerhin dürfte die Aktion vorerst einmalig bleiben: Am Ende blieben wegen der Mehrfachbewerbungen sogar 85 Gräber übrig – wie Anton Kurz, Berchtesgadens Geschäftsführer, nach der dreieinhalbstündigen Aktion erklärte. »Ich glaube, dass der Großteil die Grabstelle bekommen hat, die er sich gewünscht hat.«

Bericht der Abendschau am Mittwoch ab 17.30 Uhr

Die Abendschau im BR Fernsehen berichtet heute (Mittwoch) ab 17.30 Uhr aus Berchtesgaden über die Verlosung von 200 freien Grabstellen unter rund 280 Bewerbern.

Das Fernsehteam ließ sich von Bewerber und Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger sein Wunschgrab zeigen und begleitete ihn zur Auslosung. Ob dem Berchtesgadener ein Grab zugeteilt wurde, erfahren die Zuschauer im Beitrag. Ebenso zu Wort kommt Bürgermeister Franz Rasp, der über seine Motivation für die außergewöhnliche Aktion erzählt.

Jörg Tessnow / red/ dpa