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Freimannlehen und Rosenhof: Sorge um historische Bauten

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Berchtesgaden: Freimannlehen und Rosenhof – Sorge um historische Bauten bei Bürgerversammlung
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Was wird aus dem historischen Freimannlehen? In Berchtesgaden macht man sich Sorgen um das denkmalgeschützte Anwesen, das aktuell zusehends verfällt. (Fotos: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Eine durchaus engagierte Diskussion entwickelte sich am Dienstag auf der Berchtesgadener Bürgerversammlung im AlpenCongress. Die Bürger machen sich unter anderem Sorgen um die Zukunft denkmalgeschützter Gebäude wie Freimannlehen und Rosenhof, ärgern sich über die schlimmen Zustände rund um die Bahnsteige am Bahnhof Berchtesgaden und fragen sich, wie es im Streitfall »Villa Schön« weitergeht.


Zunächst bekam die Marktgemeinde Lob von einem Marktbewohner, weil sie für Silvester zum privaten Böllerverzicht aufruft. Es sei sehr positiv, wenn das schöne Brauchtum der Weihnachtsschützen nicht von der Silvesterknallerei überdeckt werde. Das konnte Bürgermeister Franz Rasp nur unterstreichen.

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Ein Anwohner beschwerte sich über die Schädlinge an den Japanischen Kirschbäumen im Berchtesgadener Kurgarten und forderte die Gemeinde zur Bekämpfung auf, weil mittlerweile auch seine Obstbäume befallen seien. Laut Marktbaumeister Peter Hasenknopf hat sich die Gemeinde in dieser Sache beraten lassen. Es sei empfohlen worden, kein Gift mehr zu verwenden – auch zum Schutz von Insekten.

Berufungsverfahren »Villa Schön« läuft

Den aktuellen Sachstand zum Streitfall »Villa Schön« wollte ein anderer Diskussionsteilnehmer wissen. Außerdem machte er sich Sorgen um den Bestand des historischen Rosenhofs und des alten Freimannlehens in der Unterau. »Fällt das Freimannlehen jetzt zusammen?«, fragte er. Beim Streitfall »Villa Schön« sei der Freistaat Bayern nach dem Gerichtsurteil als Beklagter in Berufung gegangen, antwortete Bürgermeister Franz Rasp. Wann es hier ein Urteil geben könnte, wusste der Rathauschef nicht zu sagen.

Beim Rosenhof habe der Marktgemeinderat einen Bebauungsplan aufgestellt, um den historischen Hof zu retten. Wenn der Eigentümer das Hauptgebäude saniere, dann dürfe er daneben auch Wohnungen bauen. Den Stadel saniere jetzt die Gemeinde, die dort einen Kindergarten installieren wolle. Bürgermeister Rasp stellte aber klar: »Wenn das Hauptgebäude einfällt, dann ist das komplette Baurecht weg. Das haben wir bewusst so gemacht.«

Beim Freimannlehen in der Unterau weiß Bürgermeister Rasp, dass »jetzt wenigstens einmal Folien über den Löchern im Dach liegen«. Es handele sich dort um ein landschaftsprägendes Ensemble, das allerdings vom Wasser arg bedroht sei. Auch hier gelte der Grundsatz: »Wenn das Gebäude zusammenfällt, gibt es kein Baurecht mehr.« Franz Rasp strebt nach eigenen Worten eine gemeinsame Lösung von Eigentümern und Marktgemeinde im Rahmen einer Bauleitplanung an. »Dabei muss der Eigentümer aber mitmachen und da fehlt mir noch der Glaube.«

Schräge Typen

Von schlimmen Zuständen im hinteren Teil des Salinenplatzes, wo es eine Art Jugendtreffpunkt gibt, berichtete ein anderer Berchtesgadener. Er war dort in eine Schlägerei geraten und weiß von Bedrohungen der im Umfeld Parkenden. Dem Berchtesgadener Polizeichef Willi Handke ist das Problem bekannt. Die Polizei sei öfters vor Ort und bemühe sich, dass dort alles in vernünftigen Bahnen abläuft.

»Wenn man die Jugendlichen aber dort vertreibt, dann tauchen sie woanders auf«, sagte Handke und bot dem Diskussionsteilnehmer die Hilfe der Polizei an. In diesem Zusammenhang waren auch die verschwundenen Dixie-Klos beim provisorischen Busbahnhof auf dem Salinenplatz ein Thema. »Die Klos sind ein paarmal im Graben gelandet. Zuerst haben wir sie immer wieder aufgestellt und dann haben wir es aufgegeben«, erwiderte Marktbaumeister Peter Hasenknopf.

Für Bürgermeister Franz Rasp ist klar, dass man dort für Ordnung sorgen müsse, wenn im nächsten Jahr die Pumptrack gebaut wird. »Die Aktiven selbst haben angeboten, sich selbst darum zu kümmern«, so der Rathauschef. Am Beispiel Salzburg sehe man, dass das funktioniert. Und das sei auch wichtig, weil die Eltern sonst ihre Kinder dort nicht mehr hinschicken würden.

Das von den Verantwortlichen angekündigte Tourismuskonzept zu den Zielen der BGLT vermisste eine andere Diskussionsteilnehmerin. »Wann kommt denn nun das Konzept?«, wollte sie wissen. Bürgermeister Rasp erklärte dazu, dass die BGLT-Gesellschafter ihre Zielvorgaben formulieren müssten. Es gehe unter anderem um das Thema Nachhaltigkeit, denn ohne eine intakte Umwelt gebe es keine Lebensqualität für die Einheimischen und keine wirtschaftliche Entwicklung.

»Entscheidend ist doch, was am Ende übrig bleibt. Es geht also nicht um Masse.« Rasp deutete an, dass diese Ziele zuletzt innerhalb der Gesellschafter unterschiedlich interpretiert worden seien. »Jetzt müssen wir diese Zielvorgaben halt schriftlich fixieren«, sagte Rasp. Nach seinem Wunsch sollte das schon im Januar der Fall sein.

Bahnsteige attraktiver machen

»Der Bahnhof ist keine Augenweide«, meldete sich eine Einheimische zu Wort und meinte damit nicht das sanierte Bahnhofsgebäude, sondern den Teil rund um die Bahnsteige. »Den Bereich sollte man unbedingt attraktiver machen, beispielsweise mit einer Rolltreppe und Radständern«, lautete die Forderung. Bürgermeister Franz Rasp betonte, dass das Bahnhofsgebäude selbst vom Eigentümer schön hergerichtet worden sei. Gleisanlage, Bahnsteige und Unterführungen, alles im Besitz der DB, seien aber »eine Riesenbaustelle«. Franz Rasp weiß, dass aktuell nicht einmal der Hublifter bedient werde. »Wenn du als Behinderter nach Berchtesgaden kommst, dann kommst du nicht einmal aus dem Zug heraus. Das ist schon grotesk«, sagte Rasp. Die Gemeinde werde zumindest versuchen, an der Beschilderung etwas zu verbessern, versprach der Bürgermeister.

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Im Bereich der Bahnsteige und des Skaterplatzes hinter dem Bahnhof gefällt vieles nicht.

In der Wortmeldung ging es auch um die Zukunft des Mittelschulgebäudes, das nach dem Umzug der Schule nach Bischofswiesen frei wird. Nach aktueller Information aus Bischofswiesen soll der Umzug nicht vor 2023 stattfinden, erwiderte Franz Rasp. Möglichkeiten der künftigen Nutzung seien eventuell der Einzug der Schnitzschule oder die Installierung von Wohngemeinschaften.

Das Thema Biomülltonne stand am Ende der Bürgerversammlung. Ein einheimischer Pensionsbetreiber echauffierte sich über die jüngste Anleitung des Landratsamtes zur richtigen Befüllung der Tonne: »Man soll Zeitungspapier und Daxer verwenden. Ich frage mich: Haben wir den 1. April?«, sagte der Einheimische.

Bürgermeister Franz Rasp ist nach eigenen Worten »heilfroh, dass wir da nicht mehr zuständig sind«. Wenigstens sei man nun so weit, dass bei jeder Leerung alle Tonnen abgeholt werden. Insgesamt mache die Biotonne aber schon Sinn, räumte Franz Rasp ein. Der Einheimische hatte daran wohl seine Zweifel: »Wenn der Inhalt nun im Winter gefriert, dann kann die Tonne ja gar nicht mehr geleert werden.« Ulli Kastner

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