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Mozart und die Mannheimer Schule

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Eberhard Marschall, Solo-Fagottist beim Konzert im Rahmen der Bad Reichenhaller Mozartwoche. (Foto: Bauregger)

Bei einem Konzert im Rahmen der diesjährigen Bad Reichenhaller Mozartwoche widmeten Christoph Adt, das Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie und Eberhard Marschall auf dem Solofagott ihre Aufmerksamkeit dem Komponisten Johann Christian Cannabich (1731-1798), einem der wichtigsten Vertreter der sogenannten Mannheimer Schule und dessen Einfluss auf Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791).


Seine erste Begegnung hatte Mozart mit Cannabich als er im Jahre 1777 auf dem Weg nach Paris in Mannheim Station machte. J. C. Cannabich war dort, nach dem Tod seines Lehrers und Vorgängers Johann Stamitz, 1757 zum Hofkapellmeister und 1774 zum Direktor des berühmten Mannheimer Orchesters berufen worden. 1778 transferierte der pfälzische Kurfürst Karl Theodor, nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher-Linien, seinen Hof samt der berühmten Hofkapelle in die bayerische Hauptstadt München. In der Mannheimer Schule mischen sich barocke Strukturen mit klassischen Elementen.

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Die Musik Cannabichs bezaubert die Konzertbesucher bis heute durch ihre Frische, ihre anmutige Melodik, ihre abwechslungsreiche Harmonik und Dynamik. Eine weitere Spezialität der gesamten Mannheimer Schule war und ist es, die Bläser nicht nur als Klangverstärkung einzusetzen, sondern sie durch zahlreiche selbstständige, virtuose Bläsersoli, etwa der Oboe oder des Fagott, an der thematischen Arbeit zu beteiligen und somit den Sinfonien einen stark konzertanten Charakter zu verleihen. Markant macht das Philharmonische Orchester dies im Königlichen Kurhaus Bad Reichenhall in der Sinfonie Nr. 63 D-Dur hör- und erlebbar. Mit Gefühl und bestechender Präzision lässt der Klangkörper die Konzertbesucher bereits bei der majestätischen langsamen Einleitung im ersten Satz »Allegro con spitrito« aufhorchen, dem eine langsam schreitende, im punktierten Rhythmus notierte Sequenz vorangestellt ist, festlich aufgewertet durch Pauken und Trompeten. Das »Andante grazioso« besticht durch Harmonie und ruhigen Melodiefluss, während der dritte Satz »Presto assai« durch ein kontinuierliches, dynamisches Anwachsen einer immer lebhafteren, aufsteigenden Melodielinie im Crescendo begeistert.

Das folgende Konzert für Fagott und Orchester B-Dur KV 191 von Wolfgang Amadeus Mozarts ist im Jahr 1774 in Salzburg entstanden. Es ist Mozarts erstes, wenn auch kurzes Bläser-Solokonzert, welches noch ganz in der Tradition von Vivaldis dreisätzigen Konzerten komponiert ist. Mit ausgeprägter Musikalität, ausdrucksstarker Körpersprache und Homogenität mit dem Orchester kostet Eberhard Marschall, Solo-Fagottist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, brillant alle virtuosen Möglichkeiten, die das Werk dem Solisten bietet, aus.

In allen drei Sätzen geizt Mozart nicht mit Schwierigkeiten, lässt viel Raum für Solo-Kadenzen, Sprüngen und Läufen die, zusammen mit der eigenen virtuos-melodienfroh ausgeprägten Klangfarbe des Fagotts, in Symbiose mit dem vollblütigen philharmonischen Orchesterklang, diesem Konzert eine ganz unverwechselbare Note verleihen, welches im dritten Satz einen mehr tänzerischen, galanten Ausdruck annimmt.

Als drittes Werk legte Christoph Adt an diesem Abend die Sinfonie Nr. 36 C-Dur, KV 425 »Linzer« auf, die im ersten Satz »Adagio – Allegro spiritoso«, in einer langsamen, fanfarenartigen Figur durchaus heroisch beginnt. Nach einem etwas schleppenden Dialog in den Violinen, begleitet von Modulationen in den Oboen, dem Fagott und Bass stellen die Streicher das erste Thema im gesanglichen Charakter vor, im forte aufgegriffen vom Orchester. Das zweite Thema ist mehr im feierlich-ernsten Charakter gehalten und wird als Coda beschlossen.

Der zweite Satz »Andante« beginnt in einem gesanglichen Charakter, erfährt im zweiten Teil Akzenten etwa durch Pizzicato-Begleitung im Bass. Mozart verwendet hier zum ersten Mal in einem langsamen Sinfonie-Satz auch Pauken und Trompeten. Dadurch bekommt der pastoral-getragene Charakter eine zusätzliche, feierliche Note. Der dritte Satz »Menuetto« im Stile eines festlichen Menuetts ist durch den Wechsel von auf- und abwärtsgehenden Intervallen gekennzeichnet. Daneben prägen die punktierten Marschrhythmen in Tonwiederholungen den Gesamteindruck. Am Ende des Menuetts wird das Grundthema nochmals piano aufgegriffen wie das ländlerartige Trio auch.

Mit »Presto« ist der vierte Satz überschrieben. Geprägt von großen Dynamiksprüngen, energischen Motiven, wechselnden Klangfarben und vielschichtigen Spannungsbögen endet der mitreißende Satz im Fortissimo mit Marschrhythmik. Besonders in diesem letzten Satz wird das Philharmonische Orchester noch einmal stark gefordert, angetrieben von ihrem impulsiv agierenden, ruhig führenden, stimmulierend wiegenden und emotional vorangehenden Dirigenten Christoph Adt. Die Konzertbesucher quittieren diese brillante und gleichwohl engagierte Leistung des Orchesters und ihres Dirigenten mit dankbarem, begeisterten Applaus. Werner Bauregger