weather-image

Ostern in Berchtesgaden – Rührende Geste und ratternde Ratschen

4.8
4.8
Bildtext einblenden
Die Kreuzwegandacht auf dem Kalvarienberg am Karfreitag.
Bildtext einblenden
Die Glocken schweigen bis zur Auferstehungsfeier mit dem Gloria in der Stiftskirche am Ostersonntag ab 5.30 Uhr. Die große Karfreitags-Ratsche haben die Ministranten statt des Läutens angekurbelt. (Fotos: B. Stanggassinger)
Bildtext einblenden
Das heilige Grab in Winkl.
Bildtext einblenden
Die Kreuzwegandacht für Kinder in der Stiftskirche.
Bildtext einblenden
Die Messe vom letzten Abendmahl mit Fußwaschung. Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob wusch den Gläubigen die Füße.

Berchtesgaden – Die Gläubigen des Berchtesgadener Talkessels haben am Gründonnerstag und Karfreitag einige Traditionen erlebt und Andachten sowie Gottesdienste gefeiert.


Am Vormittag des Gründonnerstags fand am Weihnachtsschützenplatz ein Wochenmarkt statt und viele Berchtesgadener kauften für das Osterfest ein. Am Abend feierten die Katholiken in der Stiftskirche die hl. Messe vom letzten Abendmahl. Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob ging in seiner Predigt auf eine eindrückliche Szene im Vatikan letzte Woche ein.

Anzeige

Papst Franziskus und der Erzbischof von Canterbury haben verfeindete Parteien aus dem Südsudan eingeladen, um zwei Tage geistige Einkehr zu halten. Es waren drei Männer, die um die Macht im Südsudan kämpfen und sich vor einigen Jahren von Nordsudan abgespalten haben. Der Südsudan ist weitgehend christlich geprägt, der Nordsudan muslimisch. Diese drei, welche um die Macht kämpfen, sind der Einladung gefolgt. Der Papst und der Erzbischof von Canterbury als geistiges Oberhaupt der Anglikaner standen vor diesen drei Männern. Der Papst sagte nach einer kurzen Ansprache: »Erlaubt ihr mir jetzt ein Zeichen zu setzen, erlaubt ihr mir, euch die Füße zu küssen?« Was ist das, fragte Pfarrer Thomas Frauenlob die Gläubigen. »Eine Show, gute Bilder, die es da gab?« Nein, der Papst habe versucht, durch diese Geste am Herz dieser Männer zu rühren. Auch Jesus habe bei der Fußwaschung die Herzen seiner Jünger berührt. »Sie werden diese Geste nie vergessen«, hieß es im Lukas Evangelium. Pfarrer Frauenlob führte eine Fußwaschung an den Kirchenverwaltungsmitgliedern durch, welches ein Symbol sein sollte und hoffentlich viele Herzen berührte.

Nach dem Gottesdienst fand die Übertragung des Allerheiligsten in die Martinskapelle statt, wo es den Gläubigen zur Anbetung bereitstand. Der Altar in der Stiftskirche wurde entblößt.

Der Karfreitag war ein traumhafter Frühlingstag. Während sich bereits um 9 Uhr am Dach des Hotel Edelweiss im Whirlpool die Badegäste tummelten, versammelten sich oberhalb, auf dem Soleleitungsweg und beim Kalvarienberg die Katholiken. Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob, begleitet von vielen Ministranten, betete und sang mit vielen Gläubigen an den vier Stationen und an der Hauptkapelle mit der Kreuzigungsszene die Kreuzwegandacht.

Richtig erschrocken sind die Besucher des Schlossplatzes, als plötzlich Ministranten um 9.45 Uhr hoch oben am Glockenturm der Stiftskirche die Karfreitagsratsche ertönen ließen. In der Stiftskirche hat man zwei Karfreitagsratschen, eine oben bei den Glocken und die andere unten. Mit der ist man dann mittags durch den Markt gezogen.

Das Innere der Stiftskirche war abgedunkelt, die Weihwasserbecken trocken. In der Martinskapelle war ein Heiliges Grab mit »Grabkugein« aufgebaut. Um 10 Uhr hielt Kaplan Josef Rauffer eine Kreuzwegandacht für Kinder. An mehreren Stationen wurde den Kindern durch Bild und Text und durch mitgetragene Symbole das Leiden und Sterben Jesu veranschaulicht. Der Weg führte vorbei am Taufbecken, durch den Kreuzgang zur Martinskapelle und zurück in die Kirche. Bernhard Stanggassinger

 

Italian Trulli