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Wanderer durch musikalische Welten

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Der Waginger Gitarrist Alexander B. Bittmann tritt mit seinem Programm »Spanish fire« am Samstag im »Wamso« in Traunstein auf. Beginn ist um 21 Uhr.

»Die Gitarre ist mein Spielzeug, sagt Alex B. Bittmann. »Ich gehe an sie heran wie ein Kind.« Mit welch unbändiger Virtuosität, überschäumender Leidenschaft und facettenreichen Vielseitigkeit der 53-Jährige seine Sechssaiter beherrscht, kann man an diesem Samstag live im »Wamso« in Traunstein erleben. Ab 21 Uhr brennt Bittmann sein »Spanish fire« ab, bei dem er klassischen spanischen Flamenco fingerfertig mit fetzigen Rock- und groovigen Jazzelementen verknüpft. Denn »Geht nicht« gibt es nicht im Wortschatz des Wagingers, zu dessen Fans auch der große Peter Horton gehört.


»Ich war immer schon voll verknallt in die Gitarre«, erinnert sich Bittmann, der das Instrument autodidaktisch erlernte. Ein Nachbar brachte dem Elfjährigen die wichtigsten Akkorde bei; nach einer Woche konnte er diese perfekt greifen. »Ich habe die Musik übers Hören und Merken erlernt«, erzählt der Musiker. Seit dieser Zeit komponiert Bittmann auch. Über einen Kassettenrekorder mit eingebautem Außenmikrofon nahm der Knirps seine ersten eigenen Songs auf. »Die Aufnahmen habe ich heute noch«, sagt Bittmann schmunzelnd.

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Geld der Omas in Gitarre angelegt

Nur ein Jahr später kaufte sich der talentierte Bursche »von dem bei meinen Omas gesammelten Geld« eine E-Gitarre. »Das war mein Ausbruch von Zuhause«, sagt Bittmann, der aus einer Lehrerfamilie stammt, heute. Auch seine erste Band gründete er in dieser Zeit; deren Musik war geprägt von der gitarrenlastigen Musik eines Jimi Hendrix oder Eric Clapton.

In der Folge mischte Alex Bittmann in einem Dutzend Rockbands mit. Kurz nach dem Abitur sorgte seine Band »Simson« für eine Überraschung: Bei einem Talentwettbewerb, an dem auch Hans Söllner teilnahm, belegte das Trio den dritten Platz, der mit einem Plattenvertrag über 10 000 Mark dotiert war. Innerhalb von nur drei Tagen spielten die drei Musiker die LP ein, die 1983 erschien. Doch mit dem Rauswurf des Schlagzeugers war auch das Ende von »Simson« besiegelt. Der Gitarrist schloss sich einer Band aus Mühldorf an, die mit ihrem progressiven Rock à la Saga eine vielversprechende Zukunft vor sich hatte. Doch ein Plattenvertrag bei Virgin kam nicht zustande, die Formation zerbrach.

»Verrückt« nach Musik

Bittmann absolvierte eine Ausbildung zum Siebdrucker und Werbetechniker und gestaltet bis heute seine Plattencover selbst. Doch die Musik ließ ihn auch in dieser Zeit nicht los. »Ich bin verrückt nach ihr«, bekennt der Gitarrist. So begann er in Burghausen ein Studium in Komposition und zeitgenössischer Musik. Bereits während des Musikstudium begann er, Gitarrenunterricht zu geben.

1987 lernte der Waginger den Gitarristen Robert Wolf kennen, den späteren Begründer des Akustik-Quartetts »Quadro Nuevo«. Beide schlossen sich zu dem Duo »Guitar’s Extrem« zusammen. Wolf brachte Bittmann die spanische Gitarrenmusik nahe, während Bittmann ihn in die Rhythmik einführte. »Wir waren zwei grundverschiedene Charaktere, aber musikalisch waren wir ein Herz und eine Seele«, erinnert der 53-Jährige sich an Wolf, der seit einem unverschuldeten Autounfall vom Hals abwärts querschnittsgelähmt ist.

Paco de Lucia begeistert

Eine Demokassette der beiden Gitarristen fiel Paco de Lucia, dem Großmeister der Flamenco-Gitarre, in die Hände. »Nach einem Konzert trafen wir Paco persönlich. Er war total begeistert von unseren Aufnahmen. Das war für uns wie die Weihe des Priesters«, schildert Alex Bittmann seine Begegnung mit der spanischen Gitarren-Legende. De Lucia wies den Waginger auch in die Kunst des Wechselschlags ein. Doch bevor das aufstrebende Duo »Guitar’s Extrem« Anerkennung finden konnte, trennten sich Wolf und Bittmann 1992 nach Differenzen.

Ganz andere Töne schlug Bittmann zwei Jahre später mit dem klassisch ausgebildeten Pianisten Thomas Hartmann an. Ihre CD »Out of Sahara«, die die Musiker als Alex B. Bittmann-Projekt 1999 herausbrachten, bezeichnet der Gitarrist bis heute als »fantastisches Produkt«: »Note für Note ist ausrangiert, die Kompositionen sind oft viele Jahre gereift und ich habe viel über die Arbeitsweise der Klassiker gelernt«, erklärt Bittmann. Trotz umjubelter Auftritte im Metropol in Wien, bei den Jazztagen in Burghausen oder im Münchner Gasteig wurde »Out of Sahara« niemals richtig beworben, sodass der durchschlagende Erfolg ausblieb. Aber das war Bittmann und Hartmann auch nicht wichtig zu dieser Zeit: »Wir waren besessen von der Musik, wollten unser Ding machen und uns nicht verkaufen oder verrenken, um berühmt zu werden.«

Bis heute trauert Alex B. Bittmann dem bislang ausgebliebenen Ruhm nicht nach: »Weil ich nicht bekannt geworden bin, habe ich beständig an mir weiterarbeiten können.« So hat er viele neue Techniken auf der Gitarre entwickelt, das Klopfen perfektioniert und ist in der Lage, aus dem Stegreif aus zwei Akkorden zehn Musikstücke zu komponieren. Dabei bringt der Waginger keine einzige Note zu Papier. »Ich merke es mir einfach«, zuckt der 53-Jährige fast schon entschuldigend mit den Schultern.

Sein jüngstes Werk heißt »A lot of a bit«. »Da steckt mein Herzblut drin«, betont Bittmann, der die CD komplett im Alleingang produziert, eingespielt und gestaltet hat. Fast alle Songs darauf wurden »first take« aufgenommen, also nachträglich nicht mehr korrigiert.

Begrifflich kaum einzuordnen ist der Stil von Alex B. Bittmann. »Spanish Jazz Rock« bietet wohl noch die treffendste Beschreibung seiner Musik. Der Gitarrist überrascht die Zuhörer dabei mit einer ungeahnten Fülle neuer Melodien, kombiniert mit spanischem Temperament und klassischer Akribie. Dabei sind seine Kompositionen bei jeglichem hohen Anspruch verständlich, erfühlbar, sinnreich und leidenschaftlich. So wird der Waginger, mal feinfühlig und melancholisch, mal kraftvoll und energiegeladen, zum Wanderer durch musikalische Welten … Michaela Aßmann