weather-image

64 Wohnungen für Mitarbeiter geplant

2.3
2.3
Bildtext einblenden
Auf der Fläche zwischen dem Adlergehege und dem Haus Hintereck 11 (r.) sollen drei Häuser errichtet werden. Sie dienen als Mitarbeiterwohnungen für Angestellte des Hotels »Kempinski«. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Die Gemeinde Berchtesgaden will zusätzlichen Wohnraum für die Mitarbeiter des Hotels »Kempinski« schaffen. Drei Gebäude mit 64 Wohnungen und eine Tiefgarage sollen zwischen den Häusern Hintereck 11 und Hintereck 9 am Adlergehege entstehen. Eine Hürde ist der Denkmalschutz. Der Gemeinderat stimmte am Montag mehrheitlich zu, den dritten veränderten Bebauungsplan im Bereich »Eckerbichl/Platterhof« öffentlich auszulegen. Nur Manfred Leubner stimmte dagegen, er schlug ein anderes Modell vor. Ein weiterer Streitpunkt war die Photovoltaikanlage auf den Dächern.


Der aktuelle Entwurf des Bebauungsplans schien laut Bürgermeister Franz Rasp die beste Lösung für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Hintergrund: Das Gebäude am Adlergehege am Hintereck 9 ist eine ehemalige Adjutantur Görings. Es war eine militärische Dienststelle im Dritten Reich und ist deshalb denkmalgeschützt. Der vorgesehene Dreikörperbau dürfte nicht zu nahe an das Denkmalgebäude rücken, wenn es zwischen Adlergehege und Hintereck 11 errichtet werden soll.

Anzeige

Die Landschaftsplanung übernimmt Wolfgang Ritz von der »Firma TRR Landschaftsarchitekten«, Architekt Thomas Wagner von »Planungsbüro Thomas Wagner« in Bad Reichenhall entwirft die Gebäude. Geplant sind drei zweigeschossige Häuser, in denen nur Mitarbeiter des Hotels »Kempinski« wohnen dürfen – 52 Einzel- und 12 Doppelappartements. Die bestehende Hauptstraße soll dann oberhalb des Gebäudes verlaufen.

Skepsis gegenüber dem Bebauungsplan

Manfred Leubner (Bündnis 90/ Die Grünen) fragte, ob eine Tiefgarage notwendig sei. »Wir haben drei Parkplätze beim Kempinski, einer wird gar nicht genutzt. Ohne Tiefgarage stünden noch genügend Parkplätze zur Verfügung.« Rasp stimmte dem nicht zu: »Wir planen 64 Wohneinheiten. Wir müssen mit mindestens 64 Fahrzeugen rechnen, wenn nicht sogar mehr. Jeder Bewohner muss untergebracht werden. Das würde nicht funktionieren, wenn wir sie auf bestehende Stellplätze weisen.«

Leubner konnte mit dem Bebauungsplan nichts anfangen. Der südliche Baukörper an der Hintereckstraße schien ihm zu lang. Deshalb schlug er einen anderen Entwurf vor: Er will das Bauwerk untergliedert haben, sechs kleine Einzelbaukörper statt drei große. Wolfgang Ritz und und Thomas Wagner hatten vor der Gemeinderatssitzung Leubners Vorschlag geprüft. Sie lehnten ihn aber ab.

»Die Kubatur hätte erhöht werden müssen«, so Ritz. Unter Kubatur ist das Volumen des Bauwerks zu verstehen. Kleinere Gebäude fordern zudem eine größere Grundbaufläche. Das hätte das BLfD abgelehnt. »Wir haben hier um jeden Quadratmeter gekämpft, um das Landesamt zu überzeugen«, fügte der Rathauschef hinzu. Zudem hätte Leubners Vorschlag einen erheblichen statischen Mehraufwand für die Planer bedeutet. »Und einen Wärmeverlust hätten wir auch gehabt«, sagte Ritz. Man hätte zwölf Fassaden an der Giebelseite bauen müssen, beim Dreibaukörper hingegen nur acht. Durch drei Gebäude könne man einen Wärmeverlust von 13 Prozent verhindern.

Ist Photovoltaik wirtschaftlich effizient?

Ein weiterer Streitpunkt war die Photovoltaikanlage auf den Dächern. Ritz und Wagner haben diese nicht im Bebauungsplan festgesetzt. Grund dafür sei der ungeeignete Standort. Das Hintereck ist ein schattiges Gebiet. Südlich der Hintereckstraße verläuft ein steiler Hang, der meistens die Häuser überschattet. Gerade im Winter bekomme die Photovoltaikanlage zu wenig Licht ab. »Die Anlage ist unwirtschaftlich. Ihre Effizienz liegt unterhalb des Mittelwerts im Energienutzungsplan«, erläuterte Marktbaumeister Peter Hasenknopf.

Thomas Wagner ergänzte: »Wir sind weit entfernt von der Wirtschaftlichkeit. Man muss sich daher fragen, ob es ökologisch sinnvoll wäre, wenn wir mehr Rohstoffe dafür brauchen.« Dr. Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen) konnte die Aussagen der Bauherren nicht nachvollziehen: »Ich teile diese Ansicht nicht. Es fehlt eine feste Zusage für die Photovoltaikanlage, die aber wünschenswert ist. Das ist das letzte Mal, dass ich einem Projekt dieser Art zustimme.«

Franz Rasp entgegnete: »Es ist noch nichts festgelegt. Wenn Potenzial für die Photovoltaikanlage besteht, können die Bauherren sie noch festsetzen.«

Michael Koller (Freie Wähler) begrüße eine Photovoltaikanlage auf den Dächern. Auch von dem Bebauungsplan war er begeistert. »Endlich wird das Projekt realisiert. Die Wohnungen sind eine große Entlastung. Hotel-Mitarbeiter müssen nicht mehr lange mit dem Auto pendeln. Sie können die Arbeit umgehend zu Fuß erreichen.«

Leubner unterstützt es zwar, dass Mitarbeiter in unmittelbarer Nähe ihres Hotels eine Wohnung haben. Aber: »Ich kann mich mit der derzeitigen Umsetzung nicht anfreunden. Ich finde, die Argumente nach der Überprüfung meines Vorschlags sind nicht stichhaltig. Ich will nicht abstreiten, dass die Variante teurer sein könnte. Für mich ist es aber nicht möglich, dem aktuellen Entwurf zuzustimmen.« Patrick Vietze

Mehr aus Berchtesgaden