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Die Sopranistin Julia Binek aus Berchtesgaden möchte auf den großen Opernbühnen der Welt Karriere machen. Sie ist auf dem besten Weg dazu. (Foto: privat)

Eine Berchtesgadenerin in Israel: Sopranistin Julia Binek singt sich in die Herzen der Liebhaber klassischer Musik

Berchtesgaden – Die Sopranistin Julia Binek aus Berchtesgaden singt sich in die Herzen der Liebhaber klassischer Musik. Die 27-jährige gebürtige Kasslerin, die am Staatstheater Kassel erste Erfahrungen sammelte, trat bereits bei den Salzburger Festspielen, im Salzburger Landestheater, bei Online-Konzerten des »Herbert von Karajan Instituts« Salzburg und jüngst bei Produktionen im Rahmen des Opernstudios Jerusalem auf. Dort sammelte die Sopranistin, die an der Universität Mozarteum Salzburg Konzertfach und Gesang und an der Paris-Lodron-Universität Musik- und Theaterwissenschaften studiert hatte, internationale berufliche Erfahrungen. 


Julia Binek, die schon am Landestheater in Salzburg und bei den Salzburger Festspielen aufgetreten ist, sang beispielsweise den Sopran-Part in der Matthäus- und der Johannespassion im Rahmen des Projektes »Bach and Brain«, veranstaltet vom Willy Brandt Center Jerusalem. Die Berchtesgadenerin, die seit 2019 am Herbert von Karajan Institut in Salzburg arbeitet, hatte bereits mehrere Auftritte in Israel. Im Juli 2021 reiste die 27-Jährige zum ersten Mal nach Jerusalem, wo sie auf Einladung vom Lyric Opera Studio Jerusalem ein Engagement an der Opernproduktion »Die Zauberflöte« wahrnahm und unter der musikalischen Leitung von Nur Kabaretti die Pamina sang.

Sondergenehmigung vom Ministerium

Weil die Grenzen noch geschlossen waren, bekam sie eine Sondereinreisegenehmigung vom Ministerium. Jerusalem sei im vergangenen Sommer »so gut wie leer« gewesen, weiß die Sängerin zu berichten. Julia Binek genoss, die Stadt in einer ganz besonderen Sichtweise kennenzulernen. Sie besichtigte mit einer Sondergenehmigung der Polizei den Felsendom, die Dolorosa, die Grabeskirche und Golgota. Die Plätze der Stadt machten auf die Berchtesgadenerin einen besonderen Eindruck. Mehrere Gespräche mit einheimischen Palästinensern und Israelis hätten Julia Binek die Augen geöffnet. Sie verstehe nun die Situation dort. In der palästinensischen Gesellschaft herrsche eine Unterdrückung durch das israelische Militär. Das sei in der Stadt spür- und sichtbar.

Die Sängerin wurde Zeugin von einer Schießerei. Vor ihren Augen erschoss das israelische Militär einen jungen Mann. Das habe Julia Binek sehr mitgenommen. Die Berchtesgadenerin erlebte aber auch auch Schönes. Die Opernproduktion war ein großer Erfolg. Und sie durfte Weihnachten mit palästinensischen Christen feiern. Sie hatte Kontakt mit dem Willy Brandt Center für Politik, Bildung und Kultur. Gemeinsam mit einem israelischen Gitarristen gestaltete die 27-Jährige ein Weihnachtskonzert. Die Berchtesgadenerin trug alpenländische Weihnachtslieder vor.

Des Weiteren war sie bei einem Galakonzert in der Küstenstadt Ashdod dabei, wo die Opernproduktion »Il Barbiere di Seviglia« von Gioachino Rossini mit internationalen Künstlern stattfand.

Neuerliche Einladung nach Jerusalem

Im vergangen März wurde Julia Binek erneut nach Jerusalem eingeladen, um beim Event »Bach and Brain« mitzuwirken. Die Karwoche und Ostern in Jerusalem zu verbringen, war für die aufstrebende Gesangskünstlerin etwas ganz Besonderes. Am Palmsonntag habe es einen Zug vom Ölberg bis in die Altstadt gegeben.

Dieser war aus gegebenem Anlass eine Friedensdemonstration. Es habe wieder Unruhen gegeben, bei denen mehrere junge Leute erschossen worden waren. In der Altstadt sei die Spannung zu spüren gewesen, berichtet die 27-Jährige. Nur wenige Palästinenser trauten sich in die Stadt, um den Ramadan zu feiern. Dennoch wurde das Event mit dem Willy Brandt Center zu einem großen Erfolg.

Nach ihrem Auftritt am 1. Mai in Tabgha tritt Julia Binek im Juli in der Oper »Cosi fan tutte« von Mozart in der Rolle der »Fiordiligi« ebenfalls in Jerusalem auf.

Christian Wechslinger

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