weather-image

Eine Kinoära geht zu Ende

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Kongresshaus-Kino in neuen Händen (v.l.): Martina, Hans und Maria Klegraefe übergaben die Verantwortung zum 1. Juni an Thomas und Sandra Kastner. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die Kinokultur in Berchtesgaden war seit dem Jahr 1949 untrennbar mit der Familie Klegraefe verbunden. Zum 1. Juni zogen sich Hans und Martina Klegraefe nun aus dem Kinogeschäft zurück. Neuer Betreiber des Kinos im Kongresshaus ist ihr langjähriger Mitarbeiter Thomas Kastner.


Über zwei Generationen lang hat die Familie Klegraefe mit viel Engagement, Herzblut und Durchhaltevermögen das Kulturgut Kino auch in schwierigen Zeiten in Berchtesgaden aufrecht erhalten. Nach den goldenen Kinojahren, in denen noch Kurt und Maria Klegraefe die Kinos betrieben hatten, kam es in den 60er- und 70er-Jahren durch die zunehmende Verbreitung des Fernsehens zu einem deutlichen Besucherrückgang, der bundesweit zu einem Kinosterben führte. Viele Kinobesitzer reagierten darauf mit einer Aufteilung ihrer Säle in Schachtelkinos. So auch Kurt und Maria Klegraefe, die im Schwabenkino zwei Säle einbauen ließen.

Anzeige

Mit den in den 80er- und 90er-Jahren neu gebauten Multiplex-Kinos und den riesen Einkaufszentren in der Peripherie von Salzburg sowie dem vereinfachten Grenzübergang nach Österreich wurde auch der Kinobetrieb in Berchtesgaden immer schwieriger. Nur mit viel Engagement und neuen Ideen konnte der Kinostandort Berchtesgaden gesichert werden. In sehr vielen vergleichbaren Orten in Deutschland mussten etliche Kinos schließen – und die Kinolandschaft schrumpfte bedenklich.

1981 traten dann Hans und sein Bruder Peter Klegraefe mit nur 20 beziehungsweise 22 Jahren in den elterlichen Betrieb ein und übernahmen 1986 eigenverantwortlich die Kinos in Berchtesgaden und Bad Reichenhall. Das Kur- und das Schwabenkino in Berchtesgaden leitete Hans Klegraefe mit seiner Frau Martina, das Park Kino in Bad Reichenhall übernahm Bruder Peter Klegraefe, der es jedoch ein paar Jahre später an den heutigen Betreiber Josef Loibel verkaufte.

Weil das Kinogeschäft weiterhin schwierig war, entwickelten Hans und Martina Klegraefe in Berchtesgaden neue Ideen. Daraus entstanden das Open-Air-Kino in Schönau am Königssee, die BERGinale im Kongresshaus, die Romy-Schneider-Ausstellung am Königssee und der Soccerpark in Salzburg sowie viele weitere Veranstaltungen im Berchtesgadener Talkessel.

Mittlerweile wurde der Investitionsdruck durch die deutschlandweit zunehmende Digitalisierung der Kinos immer größer. Der führte schließlich auch zur Aufgabe des in die Jahre gekommenen Schwabenkinos. Stattdessen investierte die Familie Klegraefe kräftig ins Kurkino, das digitalisiert und mit neuester 3D-Technik ausgestattet wurde. Die Folge waren stark steigende Besucherzahlen. Das modernisierte Kino und der fast abgeschlossene Umbau des Kongresshauses bieten nun beste Voraussetzungen für den neuen Kinobetreiber Thomas Kastner, dem Hans und Martina Klegraefe das Kino zum 1. Juni übergaben. Kastner arbeitet bereits seit vielen Jahren für die Familie Klegraefe, sodass der Fortbestand des Traditionsunternehmens gesichert sein dürfte. UK

- Anzeige -