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Ein Schritt in Richtung Normalität: Gastronomien öffnen ihre Außenbereiche

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Berchtesgaden: Nach Corona ein Schritt in Richtung Normalität – Gastronomien geöffnet
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Arbeitet mit einem Face Shield: Nico Martin vom Gasthaus »Neuhaus«. (Fotos: Patrick Vietze)

Berchtesgaden – Restaurants und Cafés haben seit Montag wieder geöffnet. Allerdings mit Einschränkungen: Die Gäste dürfen nur im Außenbereich bedient werden. Kellner müssen einen Mundschutz tragen. Auch die Kunden müssen gewisse Vorschriften einhalten, sonst dürfen sie nichts bestellen. Trotz vieler Umstände haben die örtlichen Besucher und Mitarbeiter aber keine Probleme damit. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat die örtlichen Gastronomien besucht.


Sichtbares Lächeln

Bessere Bedingungen könnten die Betreiber nicht haben. Die Sonne strahlt. Es herrschen sommerliche Temperaturen. Die Mitarbeiter sind vorbildlich unterwegs. Kellner Nico Martin von der Gaststätte »Neuhaus« springt von einem Tisch zum anderen, deckt alles auf. Die Tische sind sauber, die Sonnenschirme noch nicht gespannt.

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Der Kellner trägt ein Face Shield, also ein durchsichtiges Plastikvisier, das das komplette Gesicht bedeckt und vor Viren schützt. Er hat sich gegen den üblichen Mundschutz entschieden. »Ist doch schöner, wenn man das ganze Gesicht sieht. Dann kann ich meinen Gästen mit einem Lächeln den Tag versüßen«, sagt Martin mit einem Schmunzeln.

Sollte ihn das Face Shield zu sehr belasten, kann er auf die herkömmliche Maske zurückgreifen. Im Biergarten befinden sich weniger Tische, die mit Mindestabstand auseinander stehen. Erste Abendreservierungen hat es bereits gegeben. Allerdings bietet das »Neuhaus« eine kleinere Speisekarte an. Doch das stört den Kellner keineswegs. »Ich bin erleichtert, dass wir unsere Gäste wieder bedienen können«, so Martin.

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Anna Rasp (l.) und Therese Springl freuten sich über das Frühstück im »Genuss by Branka«.

Auch im »Café Forstner« herrscht gute Stimmung. Die Schirme spenden reichlich Schatten. Mitarbeiter Dreno Mitrovic trägt eine schwarze Schutzmaske, serviert einen Espresso und ein Glas Wasser an einen Tisch. Dort stehen einzelne Zuckerpäckchen in einem Behälter und mehrere Zettel, die jeder Gast ausfüllen muss. Der Kunde muss seinen Namen, Ankunftszeit und die Aufenthaltsdauer angeben. »Damit können wir alles nachvollziehen«, so Inhaberin Gabriele Sichert. Sollte jemand während des Besuchs Corona gehabt haben, kann man sofort mitteilen, wer zu dieser Zeit anwesend war.

Mehr Stress für das Personal

Stammkunde Hans Braun füllt gerade den Zettel aus. In der Hand hält er eine glühende Zigarette. Braun wirkt ziemlich entspannt. Er hat keinen Mundschutz auf. Sobald der Gast sitzt, darf er ihn abnehmen. »Er muss doch essen und trinken können«, sagt Sichert. Braun findet die Lockerungen gut. Zuvor unterstützte er das Geschäft, indem er sich öfters einen Kaffee To-Go bestellt hat. Doch die Situation sei jetzt viel angenehmer. »Ich habe das gemütliche Draußensitzen vermisst«, sagt er lachend und nippt an seinem Espresso. Umso mehr Stress hat das Personal. Jedes Mal, wenn ein Gast den Außenbereich verlässt, müssen die Mitarbeiter den Tisch reinigen und desinfizieren. Dies sei zwar aufwendiger als zuvor. »Doch alle sind motiviert. Wir machen einen Schritt in Richtung Normalität«, betont die Inhaberin.

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Hat auf jedem Tisch mehrere Aufenthaltsformulare für Besucher: »Cafe Forstner«-Inhaberin Gabriele Sichert.

Etwas anders sieht es beim »Goldenen Bären« aus. Marie Haslinger steht hinter einem Podium vor dem Biergarten. Zwei Schilder weisen auf die Hygienevorschriften hin. Haslinger trägt eine weiße Schutzmaske. Sie empfängt zwei Männer mit ebenfalls weißen Masken, begrüßt sie freundlich und weist ihnen einen Platz zu. »Wir müssen die Sitzplätze bestimmen. Es ist so vorgeschrieben«, sagt Haslinger. Zwar stehen noch alle Bierbänke, es darf aber nur jede zweite genutzt werden. »Wir müssen den Mindestabstand garantieren.«

Aus diesem Grund befinden sich auch grüne Absperrbänder zwischen den Bänken. Vorbildlich halten sich beide Gäste an die Anweisungen. Sie legen die Maske erst dann weg, wenn sie sitzen. Beide bestellen einen Schweinebraten, ein Spezi und ein alkoholfreies Weißbier. »Wir haben jetzt eine kleinere Speisekarte«, so Haslinger. Sonst müsse sie die üblichen Vorschriften wie regelmäßige Desinfektion beachten.

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Am Vormittag waren die Tische vor dem »Bier Adam« noch leer.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Café »Genuss by Branka«. Vor dem Eingang steht ein Tisch mit zwei Schildern und einem Desinfektionsspender. Die Tische stehen weit auseinander. Was keineswegs heißt, dass weniger Sitze angeboten werden. »Die Gemeinde war großzügig. Sie hat uns zusätzliche Flächen für den Außenbetrieb zur Verfügung gestellt«, sagt Mitarbeiterin Antonia Wohlrab.

Rückkehr zu alten Gewohnheiten

Maximal zwei Haushalte pro Tisch dürfen bedient werden. Wohlrab händigt den Gästen ein rosa Karteikärtchen aus. Es ist das Formular, das die Gäste beim Besuch ausfüllen müssen. Doch es scheint niemanden zu nerven. Auch nicht Anna Rasp und Therese Springl. Sie haben sich zum Frühstücken verabredet. Sie ratschen und lachen am Tisch. »Es ist wunderbar, zu alten Gewohnheiten zurückzukehren«, betont Rasp. Springl ergänzt: »Schön, dass wir wieder draußen sitzen dürfen.«

Skeptisch hingegen zeigte sich Mitarbeiterin Franziska vom »Bier Adam«. »Wir müssen erst einmal schauen, wie sich alles entwickelt.« Gewöhnungsbedürftig ist dagegen der Gang zur Toilette. Gelbschwarzgestreifte Bänder markieren die Sicherheitsabstände im Gebäude, sollte sich eine Warteschlange bilden. Blumen und Tischdecken zieren die dunkelbraunen Bierbänke. Gegen Mittag sind noch keine Gäste da. Allerdings durfte sich Mitarbeiterin Franziska bereits über die erste Bestellung freuen: »Wir haben heute um 10 Uhr das erste Bier verkauft.«

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Marie Haslinger vom »Goldenen Bären« will mit grünen Absperrbändern den Sicherheitsabstand garantieren.

Patrick Vietze

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