Essler-Kunstwerk muss weichen

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So sah das Relief von Alfred Essler vor der Baumaßnahme aus. (Fotos: Kilian Pfeiffer)
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Kürzlich musste das Kunstwerk zugunsten eines neu gestalteten Eingangsbereiches weichen.

Berchtesgaden – Vor 55 Jahren hatte die Marktgemeinde den Auftrag erteilt, die damalige Volksschule, die heutige Grundschule in Berchtesgaden, mit einem Relief zu verzieren. Der über die Grenzen bekannte Berchtesgadener Künstler Alfred Essler, der etwa in Bad Reichenhall für sieben Brunnen verantwortlich zeichnet, konnte damals dafür gewonnen werden. Mit dem nun stattfindenden Umbau des Schuleingangs ist das Kunstwerk Geschichte. Die Empörung ist groß.


Es ist »nur« eine Darstellung – Generationen überdauernd. Ein Bild, das jeder Berchtesgadener, der hier zur Schule ging, kennt. Auch, wenn die Grundschule über die Jahre aus- und umgebaut oder erweitert wurde: Das Kunstwerk am Eingang überdauerte jede Veränderung. Wer sich an die Grundschule in Berchtesgaden erinnert, weiß zu berichten, was das im Jahr 1966 entstandene, großflächige Relief darstellt: Eine Lehrerin ist darauf zu sehen, fünf sitzende Schüler auf Bänken und Stühlen, ein Kind steht vorne, deutet womöglich auf die Tafel. Darüber steht in großen Lettern »Volksschule am Bacheifeld«. Das Kunstwerk ist auf unzähligen Bildern zu finden, auch deshalb, weil die Bilder zum ersten Schultag vor dem Schuleingang gemacht wurden.

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Dass Alfred Esslers Arbeit nun entfernt wurde, stört zumindest im Internet viele: »Wie viele Kinder haben sich dort fotografieren lassen mit der Schultüte, dem Schulranzen und den Eltern«, schreibt ein Facebook-Nutzer. Stolz seien die Erwachsenen gewesen, als sie sich mit ihren Kindern dort haben ablichten lassen, schreibt er weiter. Jahrzehnte lang zierte das Gemälde die Grundschule. »Und jetzt muss es weg. Wem fällt bloß so etwas ein«, heißt es in der Gruppe »Das ärgert uns im Berchtesgadener Land«.

Der Künstler dahinter, der Bildhauer Alfred Essler, ist Jahrgang 1929. Gestorben ist er vor acht Jahren, im Jahr 2013. Essler war unter anderem für die Gestaltung und Umsetzung etlicher Brunnen bekannt. Unter anderem hat er dem Bergsteiger Johann Grill, auch bekannt als Kederbacher, zu Ehren das ausdrucksstarke Brunnendenkmal in der Ramsau gewidmet. Der Heimatkundeverein Berchtesgaden hat ihm, zu seinem 90. Geburtstag, eine Retrospektive im Landkreis-eigenen Museum Schloss Adelsheim gewidmet – mit einem großen Querschnitt seines umfangreichen künstlerischen Schaffens. Neben vielen großformatigen Fotos von hiesigen und auswärtigen Skulpturen waren dort aus dem Nachlass des Bildhauers zahlreiche bronzene Kleinplastiken und Modelle zu sehen. Essler gilt als einer der präsentesten Künstler Berchtesgadens – über seinen Tod hinaus.

»Ich finde es völlig daneben, so etwas zu entfernen«, schreibt eine Berchtesgadenerin, die das Vorgehen kritisiert. Eine weitere Facebook-Nutzerin sagt: »Das spiegelt leider genau den heutigen Zeitgeist wider. Respektlos wird über alles drübergefahren und niedergetrampelt.«

Dass das Kunstwerk entfernt wird, darüber waren zumindest die Vertreter des Gemeinderates nicht informiert worden, wie Helmut Langosch (Freie Wähler) auf Facebook mitteilt. Auch Hans Kortenacker von der Berchtesgadener Bürgergruppe bestätigt das gegenüber der Lokalzeitung. »Es ist zwar kein Beinbruch. Ich finde es aber ziemlich schade«, sagt Kortenacker. Er befürwortet, das Kunstwerk in ähnlicher Weise an anderer Stelle wieder zu verwirklichen. Die Entfernung sei baulich bedingt gewesen. Eine erneute Realisierung befürworten weitere Bürger.

Kilian Pfeiffer

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