AIDA-Odyssee: Dr. Thomas Schöbingers Schiffsreise wird nach Coronaausbruch vorzeitig beendet

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Nach langer Wartezeit konnten die Reisenden endlich in das Flugzeug nach München steigen. (Fotos: privat)

Berchtesgaden/Portugal – Silvester auf Madeira feiern, das war der Plan von Dr. Thomas Schöbinger, Sprachtherapeut aus Berchtesgaden. Mit der AIDAnova begab er sich deshalb auf eine Schiffsreise, die jedoch für ihn und weitere 3 000 Urlauber vorzeitig im Hafen von Lissabon endete. Schuld war Corona, denn Teile der Crew hatten sich mit dem Virus infiziert. 


Von Hamburg aus ging es kurz vor Weihnachten über Rotterdam, Brüssel/Zeebrügge, A Coruña bis Lissabon, enden sollte die Reise im neuen Jahr auf Teneriffa. Doch in Lissabon war dann Schluss, denn trotz einer 2 G-plus-Regel hatten sich Teile der Besatzung infiziert. Thomas Schöbinger erzählt, dass die Reise über den Atlantik zunächst problemlos verlief, doch nach Bekanntwerden des Ausbruchs sei es chaotisch geworden. Am 29. Dezember ging die AIDA im Hafen von Lissabon vor Anker, die Urlauber konnten sich bei einem Landgang die Hauptstadt Portugals näher anschauen. »Am 30. Dezember hätte es dann nach Madeira weitergehen sollen«, erzählt Schöbinger. Doch dazu kam es nicht mehr, weil mehrere Mitglieder der Crew positiv getestet wurden und eine neue Mannschaft noch nicht da war. So blieb das Schiff in Lissabon vor Anker, die Silvesterfeier in Madeira rückte in weite Ferne. An Bord tauchten die ersten Gerüchte auf, da in den sozialen Medien früh über die undurchsichtige Situation berichtetet wurde. Zornig seien dann aber viele Passagiere geworden, als auf einmal die kleinere AIDAStella planmäßig nach Funchal und Madeira auslief.

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Ohne Abstand warteten hunderte Menschen am Terminal.

»In Lissabon kamen auf der AIDAnova zu den 2000 Passagieren 1000 weitere hinzu, die wie viele andere die Reise auch für das imposante Feuerwerk in Madeira gebucht hatten.«

Silvester feierte Thomas Schöbinger schließlich mit vielen anderen in Lissabon. »Danach hieß es, das Schiff würde nun direkt nach Arrecife auf Lanzarote fahren.« Am 2. Januar informierten die Verantwortlichen die Passagiere dann aber per Videobotschaft darüber, dass die Reise beendet sei und die Menschen per Charterflügen zu ihren Zielflughäfen gebracht würden.

Chaos verbreitet sich

Zunächst schien alles glatt zu laufen. Es hing ein Abreiseplan aus, der eine geregelte und logistisch durchdachte Rückreise garantieren sollte. Irritierend war aber die Verpflichtung, einen Antigen-Schnelltest im Selbstverfahren durchführen zu müssen. Jeder Passagier bekam dann eine vorher ausgedruckte Negativ-Bescheinigung, eine Überprüfung fand nicht mehr statt. So startete bereits um 2.30 Uhr mitten in der Nacht die Evakuierung der Reisenden. In Blöcke aufgeteilt wurden sie in das Flughafenterminal gebracht. Dr. Schöbinger kam mit rund 500 Personen am frühen Nachmittag am Flughafen an, »es boten sich chaotische Zustände«. Der Terminal war bereits von Menschen überfüllt, die sich vor den Abfertigungsschaltern stauten. Absperrungen fehlten völlig und so ging es drunter und drüber. Es gab auch keine Präventivmaßnahmen wie Sicherheitsabstände oder Kontaktreduzierung. »Als immer wieder zum ›Boarding‹ aufgerufen wurde, breiteten sich unter den Wartenden Unruhe und Panikattacken aus.« Die Menschen warteten in langen Schlangen auf ihre Boardingkarten. So war der für rund 1 000 wartende Passagiere vorgesehene TUIfly-Schalter für vier Flugzeuge mit nur einer Person besetzt. Nach über vier Stunden hatte auch Dr. Schöbinger eingecheckt und war guter Hoffnung, bald in der Luft auf dem Rückflug nach München zu sein. Doch nachdem der planmäßige Flug um 16 Uhr hätte starten sollen, schwand mit zunehmender Wartezeit auch die Hoffnung, überhaupt noch zu fliegen, da in München nur bis 22 Uhr gelandet werden darf.

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Die Rückreise stellte alle Passagiere auf eine Geduldsprobe.

Nachdem die »Gestrandeten« zuletzt um 12 Uhr mittags etwas zu essen bekommen hatten, verschlimmerten sich die Zustände im Laufe des Abends immer weiter. Weder von TUIfly noch von der Reederei oder dem Flughafenpersonal wurden Decken, Getränke, Nahrungsmittel oder Schlafgelegenheiten geboten. Babys schrien, weil sie in völlig durchnässten Windeln lagen und Hunger hatten. Alte Menschen in Rollstühlen bekamen ohne Medikamente Probleme und alle plagten Hunger und Durst. »Die Automaten mit Getränken und Nahrungsmitteln waren leer. Keiner kam mehr aus dem Sicherheitsbereich heraus, um etwas zu kaufen.« Als gegen fünf Uhr morgens ein Flughafenmitarbeiter kam, um die Menschen zu einer Art »Notunterkunft« zu bringen, keimte Hoffnung auf. Diese Unterkunft war aber ein Hotel, das wieder nur mit einer Person besetzt war. Es dauerte erneut vier Stunden, bis Schöbinger ein Zimmer zugewiesen bekam.

Wo ist das Flugzeug?

Um 13 Uhr brachten Busse die Wartenden wieder zum Flughafen. Aber auch der zweite Boardingversuch verzögerte sich, weil der Busfahrer den Standort des gecharterten Rückholflugzeugs nicht fand. Schließlich fuhr das Flugzeug dem Bus entgegen und endlich konnten die Menschen mitten auf dem Flughafen auf einer herbeigeschafften Gangway das Flugzeug betreten. Der Pilot erklärte die misslichen Umstände und auch das geschlossene Zeitfenster für den angedachten Rückflug. Als der Flieger kurz vor 22 Uhr in München gelandet ist, setzte sich das Chaos fort. »Ein Münchner Willkommensbier und eine g'scheite Brotzeit nach 36 Stunden scheiterte, weil die S-Bahn kurz vor Hallbergmoos nach einem Defekt stehen blieb und die Fahrt erst nach Mitternacht fortgesetzt werden konnte. Inzwischen hatten jedoch alle Restaurants in München geschlossen und auch im gebuchten Hotel gab es nichts mehr«, so Dr. Schöbinger.

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Dr. Thomas Schöbinger wollte Silvester auf Madeira feiern.

Post von AIDA

Am letzten Samstag bekam der Berchtesgadener Post von AIDA Cruises. Man entschuldigte sich und erklärte die Zustände mit technischen Problemen von TUIfly. Zudem hätten Nebel und zahlreiche krankheitsbedingte Ausfälle des Luft- und Bodenpersonals zu den erheblichen Verzögerungen geführt. Natürlich erhalten alle Teilnehmer Erstattungen. »Ich werde trotz aller Unannehmlichkeiten wieder einmal eine Kreuzfahrt buchen«, so Dr. Thomas Schöbinger.

Christian Wechslinger

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