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Politik und Tourismusbranche im Berchtesgadener Talkessel sehnen sich nach positiven Nachrichten. Aktuell ruhen ihre Hoffnungen auf dem für das Jahr 2023 geplanten Elektrobus-Projekt auf den Kehlstein. (Foto: Ulli Kastner)

»Bergerlebnis Berchtesgaden« beklagt Negativ-Nachrichten

Berchtesgaden – Die anhaltenden Negativ-Nachrichten frustrieren die heimische Tourismusbranche. Dass man sich positive Meldungen geradezu herbeisehnt, war am Donnerstag auf der Sitzung des Zweckverbands »Bergerlebnis Berchtesgaden« im AlpenCongress zu vernehmen. Es gab Kritik an Politik und Medien sowie einen Appell an die Impfgegner. »Zwei Jahre Corona haben Spuren hinterlassen«, betonte Verbandsvorsitzender Dr. Bartl Wimmer.


Es war Verbandsrätin Irmi Hengster, die die kurze, aber intensive Diskussion lostrat. Die Betreiberin einer Bischofswieser Pension haderte mit der Politik. »Ich vermisse eine klare Aussage der Politik, dass aktuell Urlaube trotz Pandemie möglich sind«, sagte sie. Die Leute seien derzeit stark verunsichert und wüssten oft nicht, was erlaubt ist und was nicht. Auch die Tourismusverbände seien gefordert, bekannt zu machen, dass man zu Weihnachten durchaus in Urlaub fahren dürfe.

Das Auf- und Zusperren aufgrund der schwankenden Inzidenzwerte erschwere die aktuelle Situation, erwiderte Verbandsvorsitzender Dr. Bartl Wimmer. Aber auch er beklagte, dass die für die Interessensvertretung zuständigen Stellen ihre Aufgaben schlecht wahr nehmen würden. Man habe zwar in fast allen Gesprächen das Gefühl, dass man verstanden werde. Die fehlende Umsetzung zeige aber dann, dass man bei den Verantwortlichen nicht durchgedrungen sei. »Der Stellenwert des Tourismus ist bei uns halt viel geringer als beispielsweise in Österreich«, kritisierte Wimmer. Darüber hinaus sei auch das Hochwasser im Juli für den Tourismus nicht förderlich gewesen. »Und in der Hitparade der Coronazahlen waren wir auch immer weit vorne.« Nun gehe es darum, eine Strategie zu entwickeln, wie man dem begegne und wieder gute Nachrichten nach außen bringe. Im Etat der Abteilung Destinationsmanagement seien dafür jedenfalls Mittel eingeplant.

»Die ständigen Negativ-Nachrichten tun uns nicht gut«, kritisierte auch Landrat Bernhard Kern. Als »unerträgliche Negativberichterstattung« bezeichnete er einen Fernsehbeitrag im BR-Magazin »quer« sowie einen Artikel im »Münchner Merkur« über die vielen Zuschauer beim Buttn­mandllauf in Loipl. Nicht gut sei auch, dass die Bahnstrecke Bischofswiesen – Berchtesgaden nach den Unwetterschäden immer noch nicht freigegeben werden könne. Und schließlich tauche in den Medien immer wieder die geringe Impfquote im Landkreis auf. »Ich kann darauf auch keine Antwort geben, denn wir bieten alles Notwendige an«, sagte Landrat Kern. Immerhin könnten hoffentlich bald die Elektrobusse auf den Kehlstein für positive Nachrichten sorgen, hoffte der Landkreischef.

Corona stand natürlich auch im Mittelpunkt der Jahresabschlussrede von Verbandsvorsitzendem Dr. Bartl Wimmer. So habe man sich beim ersten Lockdown Anfang 2020 noch gedacht: Das wird schon wieder. Und nun zum Jahreswechsel 2021/2022 sei man immer noch in dieser schwierigen Situation. »Zwei Jahre Corona haben Spuren hinterlassen«, betonte Wimmer und erwähnte die stets besonders hohen Inzidenzen im Landkreis Berchtesgadener Land. Nicht als Mediziner, sondern als Touristiker könne er nur sagen: »Wenn wir Glück haben, kommt die Impfpflicht. Denn ich habe keine Idee, wie wir mit einer Impfquote von nur 60 Prozent die nächsten Mutanten überstehen wollen.« Die Situation werde ohne entsprechende Impfquote in den nächsten Jahren nicht leichter werden. »Unter diesen Umständen können wir aber nicht drei weitere Jahre einen positiven Haushalt machen.«

Leider würden fachlich qualifizierte Aussagen von Experten kaum mehr wahrgenommen, wandte sich Bartl Wimmer an die Impfgegner. »Wenn wir hier keine Antworten finden, werden wir alle darunter leiden.« Wimmer forderte eine »Gesamtverantwortung für die Region« ein, der sich alle stellen müssten.

Der Vorsitzende ging auch auf einige konkrete Punkte ein, mit denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Zweckverband im kommenden Jahr beschäftigen werden. So wolle man in den nächsten Monaten eine Basisstrategie verschriftlichen, in der die Ziele und Vorstellungen sowie die touristische Struktur der 2000 Tourismusbetriebe im Talkessel fixiert werden. Man müsse sich überlegen, wie der Trend des Aufhörens gestoppt werden könnte und man die Tourismusstruktur für die Zukunft »einigermaßen bewahren kann«. Weiter verbessern wolle man die Gastgeberberatung vor allem in punkto Qualitätsverbesserung. Mithilfe einer dezentralen Struktur soll außerdem die Online-Buchbarkeit der Betriebe gefördert werden. Und schließlich soll es nach den Worten Wimmers auch um Mobilität gehen, unter anderem müsse man sich noch viel besser auf die zunehmende Elektromobilität einstellen.

Einen positiven Aspekt gab Wimmer den Verbandsräten zum Abschluss des Jahres 2021 mit auf den Weg: »Wir können stolz sein auf den Zusammenhalt, den das Hochwasserereignis im Juli sichtbar gemacht hat. Das macht Mut für die Zukunft.«

Ulli Kastner

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