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Schloss Adelsheim auf Modernisierungskurs – Berchtesgadener Museum wird für Millionensumme saniert

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Die Leiterin des Heimatmuseums, Friederike Reinbold, freut sich über die Sanierung.

Berchtesgaden – Schloss Adelsheim wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Das Dach des historischen Baus aus dem Jahr 1614 ist undicht. Darunter verborgen: die Geschichte Berchtesgadens, zusammengefasst in etlichen Exponaten: 500 Jahre Holzbildhauerei, eine Marionetten-Sammlung des 19. Jahrhunderts, Beinschnitzereien aus Knochen, zudem eine Abteilung des Bayerischen Nationalmuseums München, die dem Berchtesgadener Gelehrten Professor Dr. Rudolf Kriss gewidmet ist. Der Landkreis, unter dessen Verwaltung das Museum steht, investiert nun eine ordentliche Summe Geld. Allerdings kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Museumskonzept langfristig einer Überarbeitung bedarf. Denn die Besucherzahlen bewegen sich auf niedrigem Niveau.


Museumsleiterin Friederike Reinbold ist voller Vorfreude: Endlich erfährt das Renaissance-Schlösschen eine seit langem herbeigesehnte Aufwertung: Das Dach, 870 Quadratmeter groß, wird für 1,3 Millionen Euro saniert. Der Geldfluss kommt zum richtigen Zeitpunkt: »Wir hatten vorvergangenes Jahr ein großes Schneeproblem«, so Reinbold. Die Folgen des eindringenden Wassers sind heute noch sichtbar: In einem von Stuck besetzten Raum, der schlosseigenen Kapelle, in dem die Berchtesgadener Kirche Jahrhunderte alte, wertvolle Leihgaben hinter Glas verwahrt hat, drückt das Wasser durch die Decke und es sind Schimmelflecken zu sehen.

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Untersuchungen, die das Landratsamt in Auftrag gegeben hatte, haben zwar einen Schaden festgestellt, gesundheitsschädlich seien die Wasserflecken aber nicht, sagt Klaus Willberger, Fachbereichsleiter Zentrales Gebäudemanagement im Landratsamt. Gemeinsam mit Mitarbeiter Florian Hauser hat er der Baustelle in Berchtesgaden einen Besuch abgestattet.

Das ausgestorbene Beinschnitzer-Handwerk

Die Kunstfertigkeit der Berchtesgadener Beinschnitzer war sprichwörtlich. Neben dem kostbaren Elfenbein verwendeten die »Boandlschnitzer« Bein, vor allem Rinderknochen. Reinbold bezeichnet sie als »Meister ihres Fachs«, die ihre Verarbeitungsmethoden als Betriebsgeheimnis bestens hüteten und so gut wie nie weitergaben. Das seltene Angebot, das im Heimatmuseum zu finden ist, umfasst Haus- und Reisealtärchen, Rosenkränze, Heiligenfiguren, Federkiel-Kruzifixe, aber auch zerlegbare Augen in natürlicher Größe als Anatomiemodelle – bis hin zu knöchernen Schachfiguren. Mit dem Tod des letzten Beinschnitzers im Jahr 1879 starb dieses Kunsthandwerk aus. Im Heimatmuseum ist es weiterhin zu sehen. Voraussichtlich aber erst irgendwann in der späten zweiten Jahreshälfte, wenn das Großprojekt im Renaissance-Schlösschen abgeschlossen sein wird.

Die Sanierung des alten Daches soll in zwei Bauabschnitten erfolgen. Dabei werden die Dächer des Hauptgebäudes, des Anbaus, des Wohn-, Bürotraktes sowie des südlichen Torgebäudes saniert, sagt Landratsamt-Mitarbeiter Florian Hauser. Die Bauarbeiten sollen bis Herbst 2021 dauern.

Die rund 60 Jahre alte Holzschindeleindeckung aus Zedernholz besteht seit Eröffnung des Museums. Diese wird durch eine neue Eindeckung aus Lärchenschindeln ersetzt. Im Gegensatz zum bestehenden Dachaufbau wird im Zuge der Sanierung eine zusätzliche Ebene im Dachaufbau erstellt: Auf die Sparren kommt eine Vollholzschalung, darauf eine diffusionsoffene Unterdeckbahn. Diese wird mit einer Luftlattung versehen, die wiederum eine Sparschalung bedeckt. Oben drauf werden die Lärchenholzschindeln angebracht. Im Dachboden hatten Experten zudem gesundheitsgefährdende Stoffe entdeckt.

Holzbalken sind über 400 Jahre alt

Für Friederike Reinbold und ihr Team bedeutete das, den Dachboden zu räumen: Exponate mussten in mehrere Depots im Rest des Hauses verlagert werden, um den Handwerkern Platz zu schaffen. Erschwert wird die Dachsanierung durch die Tatsache, dass Schloss Adelsheim unter Denkmalschutz steht. Holzverbauungen, die während der Sanierung entfernt wurden, listeten die Mitarbeiter, versahen sie mit Nummern und bewahren sie nun im Foyer auf. Etliche handgemachte Holzbalken stammen aus dem Entstehungsjahr des Gebäudes, sind also über 400 Jahre alt.

Für Friederike Reinbold ist dies der perfekte Ort, um Berchtesgadens Vergangenheit darzustellen, oft geprägt vom einfachen Leben der Bevölkerung. Im Museum vereinen sich Arbeiten aus 500 Jahren Holzbildhauerei: Skulpturen vom gotischen Engel bis zur modernen Schülerarbeit der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei Berchtesgadener Land. In den Depots des Museums, die teils aus allen Nähten platzen, lagert alte Berchtesgadener War.

»Wir verwahren all diese Dinge in einem denkmalgeschützten Haus«, betont Reinbold. Rund 4 000 Besucher kommen pro Jahr. Das sind eindeutig zu wenige. »Unser Problem ist die Lage«, ist Reinbold überzeugt. Zu Fuß sind es zwar nur 15 Minuten bis in den Ortskern, für viele ist das aber zu weit. Urlauber verweilten in Berchtesgaden immer kürzer: »Ein Tag Salzbergwerk, einmal zum Königssee und in den Nationalpark – da bleibt oft keine Zeit für das Heimatmuseum«, sagt Friederike Reinbold.

Die Vermarktung der landkreiseigenen Einrichtung ist zudem alles andere als zeitgemäß. Wer einen Blick auf die Webseite riskiert, findet nur wenig Grund, dort zu verweilen. »Das hat natürlich auch alles mit viel Geld zu tun«, erklärt die Museumsleiterin, die selbst nur eine Halbtagesstelle bekleidet. Dabei schielt sie mit einem Auge auch auf Bad Reichenhall. Dort war das Reichenhall Museum, eine stadteigene Einrichtung, aufwendig saniert worden. »Wir können bei uns nur mit kleinen Schritten vorankommen«, weiß die gelernte Restauratorin. Sie ist guter Dinge, dass das Heimatmuseum nach der Sanierung auf größeren Zuspruch treffen wird. Denn intern feilt man an neuen Konzepten, an Sonderausstellungen und Veranstaltungen, die das Augenmerk ab Ende 2021 auf Schloss Adelsheim richten sollen. Auch die Kreisräte des Berchtesgadener Landes seien eingeladen, dem Haus einen Besuch abzustatten. Sie entscheiden zwar über die Finanzierung der Einrichtung, allerdings hat ein großer Teil der Landkreis-Politiker das Haus noch nicht von innen gesehen, wie kürzlich ein Parteivertreter während einer Ausschusssitzung wissen ließ.

Kilian Pfeiffer

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