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Seit 50 Jahren im Dienst der Kinder

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Seit einem halben Jahrhundert ist für die Rosenhofer Buttnmandl der Besuch bei den Kindern der wichtigste Teil des »Laufens«. (Fotos: privat)
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Die Rosenhofer Buttnmandl vor 50 Jahren.

Berchtesgaden – Ein halbes Jahrhundert existieren heuer die Rosenhofer Buttnmandl. Am 5. und 6. Dezember 1965 liefen sie zum ersten Mal durch den Markt. Doch das war damals längst nicht selbstverständlich. Ein kleiner Blick in die Chronik liefert zahlreiche spannende und humorvolle historische Anekdoten.


Martin Beer hatte ein »vorausschauendes Gespür« für traditionelles Engagement. So war es nur der Hartnäckigkeit des damaligen Bürgermeisters von Berchtesgaden zu verdanken, dass die Bass ihren ersten Lauf durch den Markt realisieren konnte. Denn Mitte der 60er-Jahre durften im Marktbereich nur Bassen mit drei Kramperln und einem Nikolaus laufen. Außerdem musste ab 22 Uhr Schluss sein, ansonsten lief die Darstellung unter Ruhestörung. So war das 1965. Zwei Jahre zuvor war erstmals eine Buttnmandl-Bass der Bundeswehr aus der Strub durch den Markt gelaufen. Daraus entwickelte sich der Wille bei den Trachtenvereinen »D'Untersberger Stamm« und »D'Almrauscher«, ebenfalls eine Bass zu gründen.

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Die Gründungsmitglieder der Rosenhofer Buttnmandln 1965 waren: Bernd Masberg, Edi Thomä, Eugen Meyhöfer, Helmut Lindner, Reinhold Meier, Josef Lochner, Karl Zauner, Helmuth Mistlbacher, Peter Mistlbacher, Rudi Wisura, Anton Brandner, Hans Schuhegger und Helmuth Nagl.

Es wurde akribisch geplant und viel improvisiert. Stroh zum Beispiel gab es nicht. Das musste von einem Surheimer Bauern bezogen werden. Dieses war noch nicht mal lang genug, aber die Rosenhofer haben in tagelanger Arbeit pfiffig die Schab zusammengebunden und somit die kompatible Länge erzeugt, die es benötigte.

Sogar der Preis pro Schab wurde damals von 50 auf 35 Pfennig heruntergehandelt. Auch das Transportmittel war nur ein geliehener Kombi der Enzianbrennerei Grassl. So karrte man das Stroh von Surheim nach Berchtesgaden und die Bass bewies schon 1965 ihren Einsatzgeist. Die Gewänder aus Samtstoffen und Spitzen wurden in liebevoller Handarbeit von Kaufleuten und Privatpersonen hergerichtet oder gestiftet.

Und so liefen die Rosenhofer Buttnmandl 1965 in den datierten Dezembernächten zum ersten Mal aus dem Kugelfeld-Lehen in den Markt aus. Später nach dem Abriss des Kugelfeld-Stadels zogen sie ab dem vierten Jahr in das Oberweinfeld um. Allerdings nur für kurze Zeit. Es gab Biertisch-Streitereien. Der Rosenhof-Sepperl aber nahm die Buam herzlichst auf und der Name Rosenhofer Buttnmandl war geboren.

Mittlerweile stehen 50 Jahre Brauchtum und Tradition auf dem Namen Rosenhofer Buttnmandl. Folglich gab es auch besondere Ereignisse. So wie bei einem Hogoascht in den 70er-Jahren. Stimmungsfroh nach einem Lauf erklärten sich die Rosenhofer zu einem geselligen Gute-Nacht-Ständchen bereit. Gesang, Ziach und viel Herzblut zur nächtlichen Stunde. Das kam im gesamten Hause gut an. Nur beim »Vegei« nicht. Beim Vogt Erich qualmte die ganze Stube. Sie rissen den schlafenden »Vegei« aus dem Bett, löschten die rußende Lebensgefahr und retteten ihm somit das Leben.

Eine ähnlich dramatische Situation entschärfte in den 90er-Jahren der Rosenhofer Nikolaus bei der Versammlung in der Werkstatt des Nagl-Lehens. Da war es saukalt, was einheizen bedeutete. Das wiederum entzog dem Raum den Sauerstoff. Der Nikolaus ordnete sofort an, alle Fenster und Türen zu öffnen, damit die Ersten nicht bald von der Bierbank fielen.

Dann der Dezember 1988. Ein großer Geländewagen stand während eines Laufs mitten in der Bass. Der Fahrer hatte alkoholisiert vier Ganggerl verletzt. Einer wurde durch den Aufprall in die Luft geschleudert und musste stationär behandelt werden. Sanitäter, Polizei, Blaulicht. Auf der Königsseer Straße wurde es hektisch. Die Rosenhofer Buttnmandl leisteten sofort Erste Hilfe und brachen ihren Lauf ab. Ergriffen saß man danach im Keller vom Steinbrecher Ernsti. Drei Ganggerl erheiterten später durch ihre Entlassung die Runde. Im Gegensatz zum Pkw-Lenker war bei ihnen kein Alkohol im Blut.

So gilt es jedes Jahr, die Kuriositäten der Vergangenheit zu diskutieren und etwaige Änderungen vorzunehmen. Das geschieht in den Buttnmandlversammlungen. Verhaltensregeln in Konfliktsituationen werden geklärt, Routen abgesteckt – und wer ist Ganggerl, wer läuft in Stroh?

Solche Vorbereitungen beginnen bereits im Sommer mit dem Organisieren des Strohs. Im Herbst schwärmen dann kleine Gruppen aus, um Anlaufstellen und Binder zu organisieren. Schwerpunkt bei den Rosenhofern ist freilich wieder der Besuch vom Nikolaus bei den Kindern. Erst wenn sich der große Trubel von Schaulustigen im Markt gelegt hat, läuft die Bass in den Ortskern. Jörg Tessnow

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