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Die Künstlerfamilie Klinger in neues Licht gerückt

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Will Klinger-Frankens Ölgemälde »Blick von Oberau nach Dürrnberg« (34 mal 24 Zentimeter). (Fotos: Mergenthal)
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Kriemhild Buhl liest das Märchen »Der Maler« von Hermann Hesse; links von ihr Laudatorin Kerstin Riedl-Grünthal.
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Thomas Klinger vor seinen Venedig-Photographien, darunter »Der Kuss«, im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern.
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Blick in die Ausstellung, im Vordergrund die Keramik von Eva Klinger-Römhild.

Berchtesgaden – Einen ganz besonderen neuen Kunst-Raum schuf Thomas Klinger mit der Ausstellung »Poesie des Lichts« über die Künstlerfamilie Klinger in seinem Atelier an der Bergwerkstraße 10. Vor über 100 Besuchern eröffnete sie der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann. Er zeigte sich stolz darauf, dass die Ramsau »über lange Zeit ihres Schaffens auch die Heimat der drei Künstler Will Klinger-Franken, Eva Klinger-Römhild und Thomas Klinger war und bei Letzterem noch ist«.


Nächstes Jahr werden es 30 Jahre, dass Will Klinger-Franken gestorben ist. Seinem Sohn Thomas Klinger war es ein großes Anliegen, das Vermächtnis seines Vaters der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gschoßmann erinnert sich noch gut an Begegnungen mit dem Maler am Hintersee, als er selber etwa zehn Jahre alt war: »Ich bin oft stehen geblieben und habe ihm einfach zugeschaut.«

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Einen Bogen von den Biografien bis zu den Aussagen der drei Künstler spannte Kerstin Riedl-Grünthal. Sie verglich den hier gezeigten, geballten und unverwechselbaren individuellen künstlerischen Ausdruck damit, was der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov meint, wenn er davon spricht, dass »die Lampe der Kunst durch das Papier des Lebens leuchtet«.

Sorge um die bedrohte Schöpfung

Will Klinger-Franken wurde 1909 in Veitshöchheim bei Würzburg geboren und wuchs mit neun Geschwistern in einem Wein- und Gartenbetrieb auf. Schon mit 14 Jahren entschied er sich dafür, Künstler zu werden, lernte Kirchenmaler und beendete 1940 ein zehnjähriges Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München. München, Italien, Worpswede, Franken und Ramsau waren wichtige Lebensstationen. Nicht nur, die Natur und die bäuerliche Kulturlandschaft in ihrer Schönheit einzufangen, sondern auch die Sorge, dass die Schöpfung durch den Menschen bedroht ist, habe seinen Vater bewegt, sagte Thomas Klinger.

»Will Klinger-Frankens Seelenlandschaften entstanden stets unmittelbar in der Natur, schnell und kraftvoll«, erläuterte die Laudatorin. Mit dynamischem, explosivem Strich und erdigen, kühn komponierten Farben schält der Maler das Archaische der Landschaft heraus, das in der Seele eine Saite erklingen lässt. Zwischen tiefblauen bis schwarzgrünen Tönen fängt er in Neapelgelb das letzte Licht ein oder lässt die Bäume beim »Altweibersommer« orangerot glühen.

Die großen Formate sind eher erzählerisch und detaillierter – etwa das bekannte Gemälde von Berchtesgaden oder Bilder von einem Bauerngarten in Fridolfing oder der Schönau. Die mittleren und vor allem die kleinen Formate hingegen präsentieren eine Meisterschaft in der Abstraktion, die Staunen lässt.

Wie der Maler mit wenigen dicken Pinselstrichen auf zehn mal zwölf Zentimetern Bäume am Salzachufer, den Fluss, die Hügel auf der anderen Seite und den mystischen gelb-violett-blauen Himmel andeutet und zugleich alles offen lässt, ist grandios.

Mit 16 Jahren Entscheidung für die Kunst

Auch Tochter Eva entschied sich schon früh, mit 16, für ihren künstlerischen Weg. Sie absolvierte eine Töpferlehre in Berchtesgaden und die Gesellenprüfung an der Akademie in München. Bis zu ihrem Tod 2013 schuf sie in ihrem Atelier in Hammer im Chiemgau eines der bedeutendsten Keramik-Lebenswerke in Deutschland. Wie ihr Bruder Thomas, der Photograph, erhielt sie zahlreiche Preise und Ehrungen. »Wie eine Alchimistin schuf Eva Klinger-Römhild Objekte, die die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft in etwas Neues, Einzigartiges umwandeln«, sagte Kerstin Riedl-Grünthal. Die Künstlerin, auf einer Höhe mit der großen japanischen Keramik-Kunst, hauchte ihren Gefäßen, Schalen, Wandbildern, Figuren und vielen anderen Objekten archaische Kraft, Poesie und einen ganz eigenen, elementaren »Klang« ein.

Aus dem Zyklus »Venedig – Theater der Träume«

Die Keramik-Werke »unterfüttern« als erdige Basis die Gemälde und die an einer Wand konzentrierten acht Photographien von Thomas Klinger aus dem Zyklus »Venedig – Theater der Träume«. Klinger arbeitet freischaffend für viele Magazine wie Stern oder SZ-Magazin und veröffentlichte rund 20 Bücher, unter anderem »Körpersprache« mit dem weltberühmten Pantomimen Samy Molcho. In Venedig hat er magische Momente eingefangen, wie immer bei ihm Originalausschnitte und nicht am PC manipuliert: ein Paar, das zu einem Kuss ansetzt, eine Taube, die sich wie ein Schattenriss von einem durchbrechenden Lichtfleck abhebt, oder »Arlecchinos Spiegelbild«, an einem verregneten Tag mit dem Spiegelteleskop auf die Linse gebannt.

Klingers Ehefrau Kriemhild Buhl rundete das Vernissage-Programm stimmig ab mit dem einfühlsam vorgetragenen Märchen »Der Maler« von Hermann Hesse.

Die Ausstellung ist jeden Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Will Klinger-Frankens Gemälde haben zahlreiche Besucher und Verehrer verdient und gelegentlich auch eine Präsentation an großen Wänden in öffentlichen Gebäuden, wo sie einzeln ihre Wirkung noch mehr entfalten können. Veronika Mergenthal