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Holzlamellen statt »Aquarium«

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Die Berchtesgadener Architektin Eva Wimmer präsentierte am Donnerstag im Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee ein Kongresshausmodell mit der künftigen Außenfassade, deren Holzlamellenkonstruktion dem »Haus der Berge« ähneln soll. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Eine futuristische Glasfront, die Bürgermeister Franz Rasp sogar als »Aquarium« verspottete, war den Verbandsräten der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee als neue Fassade für das Kongresshaus Berchtesgaden dann doch zu gewagt. Stattdessen entschied man sich am Donnerstag einstimmig für eine lockere Ummantelung aus gehobelten Lärchenlamellen – ganz in Anlehnung an das »Haus der Berge«. Gleichzeitig segnete man Planungsänderungen für die Innensanierung ab. Auch aus diesem Grund werden sich die Kosten für das Kongresshausprojekt von ursprünglich geplanten 6,4 Millionen Euro auf 7,3 Millionen Euro erhöhen.


Architektin Eva Wimmer stellte den Verbandsräten die aktuellen Planungen vor und präsentierte erstmals auch ein Kongresshausmodell mit der vorgeschlagenen neuen Außenfassade. Diese Interpretation naturbezogener alpiner Architektur, die sich an das »Haus der Berge« anlehnt, hatte Städteplaner Manfred Brennecke mit entworfen, der auch maßgeblich bei der Umplanung des Hotels »Edelweiß« mitgewirkt hatte. Der obere Kongresshausteil soll mit einer Lamellenkonstruktion aus gehobeltem Lärchenholz eingehüllt werden und dabei so viel Transparenz gewähren, dass die dann im oberen Stockwerke befindlichen Büroräume ausreichend Licht bekommen. »Die Kubushülle wird Ruhe in die Fassade bringen, weil beispielsweise geöffnete Fenster nicht mehr zu sehen sein werden«, sagte Architektin Eva Wimmer. Im unteren Fassadenbereich sind Glasflächen geplant.

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»Eine Kiste bleibt eine Kiste«, verdeutlichte Verbandsvorsitzender Franz Rasp die eingeschränkten Möglichkeiten bei der Planungsarbeit. Dennoch ist Rasp überzeugt, dass sich der Gesamteindruck des Kongresshauses mit dieser Lösung stark verbessere. Darüber hinaus sei diese Konstruktion auch noch kostengünstig. »Es ist eine Konstruktion aus Holz und Glas, die dem Haus der Berge ähnelt. In der Fassade wird aber kein rostiger Stahl verbaut«, stellte Franz Rasp vorsorglich klar. »Ich halte nichts von einem Aquarium«, sagte Rasp und meinte damit den kurzzeitig diskutierten Glaswürfel, der einen Bergkristall hätte darstellen sollen. Da hatte man aber doch zu viel Respekt vor der zu erwartenden Bürgerschelte.

Intensiv beschäftigte sich die Verbandsversammlung auch mit Planungsänderungen beim Innenausbau des Kongresshauses, die Eva Wimmer präsentierte. In der derzeitigen Eingangshalle sollen im Gegensatz zur bisherigen Planung nun auch Verwaltungsräume eingebaut werden. Dafür verkleinert sich der Bereich, der für die künftige Touristinfo vorgesehen ist. Für die Touristinfo will man im Zweckverband eine moderne alpine Innenraumgestaltung, die den Gast besonders ansprechen soll. Hier ist in den nächsten Wochen noch intensive Planungsarbeit zu leisten.

Die im vorderen Kongresshausteil einzubauende Gastronomie soll im Gegensatz zu früheren Plänen nun doch komplett ausgebaut werden. Das verursacht Zusatzkosten, doch erhofft man sich dadurch andererseits höhere Mieteinnahmen. Die bislang im jetzigen Eingangsbereich geplante öffentliche Toilette soll jetzt ins Untergeschoss verlegt werden. Über dem Foyer im Kinobereich soll eine Zwischendecke eingezogen werden, wo großzügige Toiletten eingebaut werden können. Der Umbau soll nach den Worten von Eva Wimmer mit dem Kinobetreiber abgesprochen und möglichst zügig durchgezogen werden, damit der Kinobetrieb nicht zu lange eingeschränkt ist.

Deutlich wurde am Donnerstag im Zweckverband auch, dass sich die Umbaukosten für das Kongresshaus von ursprünglich 6,4 auf vermutlich 7,3 Millionen Euro erhöhen werden. Das hängt zum Großteil mit diesen Bauerweiterungen, aber auch mit zusätzlichen Planungskosten zusammen. Den Zweckverband, der am Dienstag im Rahmen der Wirtsschaftsplanverabschiedung auch eine Kreditaufnahme von 1,85 Millionen Euro beschloss, belastet das stark.

3.Verbandsvorsitzender Thomas Weber sprach in der kurzen Diskussion von einem »guten Paket«. Allerdings plädierte der Bischofswieser Bürgermeister dafür, künftig bei Bauprojekten die richtige Reihenfolge einzuhalten: Erst das Konzept, dann planen, dann bauen. Bei den Besprechungen der letzten Wochen sei nämlich regelmäßig alles durcheinander geworfen worden: »Das muss künftig anders werden«.

Die Ausschreibung für den zweiten Bauabschnitt wird in den kommenden Tagen anlaufen, Baubeginn soll im Juli sein. Geplant ist, dass die Bauarbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Die Kosten für den zweiten Bauabschnitt belaufen sich auf 3,2 Millionen Euro Ulli Kastner

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