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Kapitel drei

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Auch für die nächsten sechs Jahre will Franz Rasp Bürgermeister bleiben. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Franz Rasp hat viele Ideen. In den kommenden Jahren will er sich Themen wie Bildung, Wohnen und Mobilität widmen. Dafür muss er am 15. März wieder ins Rathaus gewählt werden. Zwei Kandidaten treten diesmal gegen ihn an. Nervös ist er deshalb nicht. Vor sechs Jahren war das anders. Damals trat er gegen Michael Koller an.


»Ich nehme meine Mitbewerber ernst«, sagt er. Aber Franz Rasp will Bürgermeister bleiben. »Ich liebe meine Arbeit und ich glaube ich habe gezeigt, dass ich es ganz gut mache.« Für ihn wäre es die dritte Amtsperiode. Auf seiner Erfahrung will er sich nicht ausruhen, er hat zahlreiche Projekte im Kopf. Viele davon befinden sich bereits in der Umsetzung, anderes ist noch Zukunftsmusik.

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Drei Themen liegen ihm besonders am Herzen: Kinderbetreuung und Bildung, bezahlbares Wohnen und die Mobilität.

In den letzten Jahren hat sich in Bezug auf die Kinderbetreuung bereits einiges getan. Der Kindergarten Au wurde ausgebaut, der Weg für den inzwischen eingeweihten Waldkindergarten an der Waltenbergerstraße geebnet. Künftig will Rasp ein besonderes Augenmerk auf wohnortnahe Betreuung legen. Der Rosenhofstadl soll als Kindertagesstätte vor allem von Familien, die in Maria Gern, am Doktorberg oder an der Locksteinstraße wohnen, genutzt werden. Kürzere Wege seien das A und O. An der Grundschule Bacheifeld soll ein offener Ganztag entstehen. Auch die Grundschule Au wird profitieren: Die Mittagsbetreuung soll kostenlos angeboten werden.

Wohnen

Wichtig ist Franz Rasp der Aspekt »bezahlbar«. Das Eigenkapital des Wohnbauwerks wurde gestärkt, nun sollen neue Mietwohnungen gebaut werden. Aber auch Kaufinteressierte sollen nicht zu kurz kommen. Als Pilotprojekt nennt Rasp die sieben Reihenhäuser, die am Spornhofweg entstehen. Zum Selbstkostenpreis können sie später erworben werden.

»Mit mittlerem Einkommen ist Eigentum für viele heutzutage einfach zu teuer«, so der Bürgermeister. Rasp ist bewusst, dass sich das Problem »Wohnen« nicht durch sieben Häuser lösen lässt, dennoch sieht er in dem Bau eine Möglichkeit, abzufragen, wie hoch das Interesse in der Gemeinde tatsächlich ist.

»Man darf nicht vergessen, dass die Flächen in Berchtesgaden begrenzt sind, wir müssen also abrunden und nachverdichten.«

Mobilität

»Wir haben uns den ÖPNV zu eigen gemacht«, sagt Rasp und kann sich einen Seitenhieb auf den eigentlich zuständigen Landkreis nicht verkneifen. Den Stundentakt der fahrenden Busse findet Rasp ok, ein Halbstundentakt würde ihm besser gefallen. Was ihm allerdings fehlt, ist die Anpassung an die derzeitigen technischen Möglichkeiten. »Ich muss in Echtzeit erfahren können, wie ich von A nach B komme.« Außerdem will er bedarfsorientierte Systeme einführen. »Es soll keine warme Luft durch die Gegend gefahren werden.« Sprich, niemand hat etwas davon, wenn ein leerer Bus fährt. Langfristig möchte Franz Rasp ein Basisangebot etablieren. Jeder soll kostenlos mit dem Bus an den Hauptachsen unterwegs sein können. »An der Umsetzung müssen wir kontinuierlich weiter arbeiten.«

Vorgespräche gab es dagegen schon zum Thema »Autonom fahrender Bus«. Ohne Fahrer soll das Kfz in der Größe eines VW-Busses Menschen vom Bahnhof ins Zentrum bringen. »Die Leute müssen dann nur noch auf den Knopf drücken und schon geht es los.« Auch ein Parkleitsystem bewertet Rasp als sinnvoll, allerdings sei dies teuer und reparaturanfällig. Deshalb müsse die Anschaffung gut durchdacht werden.

Auch der Ausbau eines Alltagsradwegenetzes liegt Franz Rasp am Herzen. »Wir sind da im Süden noch sehr weit entfernt davon.« Attraktiv werde es aber nur dann, wenn der Weg durchgängig asphaltiert ist und die Menschen nicht zwischendurch gezwungen werden, vom Rad abzusteigen.

»Eigentlich ist es die Aufgabe des Landkreises, den ÖPNV zu organisieren«, resümiert Rasp.

BGLT

Auf die Frage, ob er nach dem Ende der Zusammenarbeit mit dem BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel befürchte, dass sich der nördliche Landkreis abwendet, antwortet Rasp: »Alle BGLT-Bürgermeister waren über die Entscheidung informiert, bevor der Beschluss in der Gesellschafterversammlung bekannt gegeben wurde.« Natürlich seien die Bürgermeister im Norden erstaunt und überrascht gewesen, aber Franz Rasp bekräftigt, dass sie Bescheid wussten. »Das Ganze ist nicht einfach so an mir abgeperlt«, sagt der Bürgermeister, der gleichzeitig 1. Vorsitzender der TRBK ist. »Ich habe Peter Nagel hier her geholt, wir waren befreundet.« Dennoch habe die Marke »Berchtesgaden« nicht funktioniert.

Inzwischen wird in den Gremien diskutiert, ob mit einer Doppelspitze weiter gemacht werden soll. »An dem Konzept halten wir aber fest«, bekräftigt er.

Dankbar

Franz Rasp ist auch stolz: Vor allem darauf, dass es im Marktgemeinderat immer ein konstruktives Miteinander trotz aller inhaltlicher Differenzen gab. Auch die Zusammenarbeit im Team lobte er. Egal ob Bauhof, Kindergarten oder Bürgerheim, es würde immer gut klappen. Viele der Projekte sieht Rasp als Hausaufgaben: Die Sanierung des Soleleitungsstegs zum Beispiel. Oder die Bypass-Lösung am Bahnhof. »Das ist meine Aufgabe, das erwarten die Bürger.«

Der Bypass soll zu Ostern fertig werden. Bis dahin muss die rund 80 Meter lange Beschleunigungsspur in Richtung Bavaria-Kreuzung noch ausgebaut werden. Auch der Zaun zum Busbahnhof hin fehlt noch.

Ob Franz Rasp die Fertigstellung als Bürgermeister mitmacht, kommt darauf an, was die Wahlen am 15. März ergeben. Lena Klein

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