weather-image

Berchtesgadener Pockenschutzimpfung im Jahre 1827

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Dr. Moritz Mayer, der im Jahr 1827 den »Schutzpocken-Impfungs-Schein« ausgestellt hatte, liegt im Alten Friedhof begraben.
Bildtext einblenden
Der »Schutzpocken-Impfungs-Schein« von 1827. Fotos: Schöbinger

Berchtesgaden – Schon im Jahr 1827 hatte es in Berchtesgaden Pockenschutzimpfungen gegeben. Das beweist eine Urkunde, die kürzlich im Rahmen von heimatkundlichen Recherchen gefunden wurde. Das frühe Datum überraschte die Experten.


Für die heutige Ü-30-Generation ist die Pockenschutzimpfung noch ein klarer, selbst erlebter Begriff. Für die Jüngeren trifft dies nicht mehr zu, denn die Impfpflicht wurde Ende 1975 aufgehoben.

Anzeige

Die Pocken, auch als Blattern bezeichnet, gehörten einst nach der Pest zu den gefährlichsten Seuchen der Menschheit. Sie waren schon an mehreren Stellen des Alten Testaments genannt worden, sei es als sechste ägyptische Plage oder, dass die Mumie von Pharao Ramses VI Pockennarben aufwies.

Im Rahmen einer heimatgeschichtlichen Recherche in Berchtesgaden wurde jetzt ein »Schutzpocken-Impfungs-Schein Nr. 83 im königlich-baierischen Gerichts-Bezirke Berchtesgaden zu der dortigen Pfarrey vom 9. August 1827« vorgefunden. Das frühe Datum dieser Schutzimpfung hat zunächst einmal überrascht. Wie bekannt, gab es gegen Pocken kein anerkanntes Heilmittel, sondern erst Forschungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts machten eine vorbeugende Impfung erfolgreich möglich. Hier ist vor allem der englische Arzt Edward Jenner gebührend zu nennen.

Umso bedeutender ist es, dass das Königreich Bayern am 26. August 1807 als weltweit erstes Land eine allgemeine Impfpflicht gegen Pocken einführte. Aufgrund dieser gesetzlichen Basis hat der erste königlich-bairische Bezirksarzt Berchtesgadens Dr. Moritz Mayer am »1. des Monats August und Jahres 1827 mit Namen Hölzl Andrä, alt 8 Monate mit Schutz-Pocken geimpft«. Der damalige Impfschein bestätigt weiters, dass »sich bei am 9. Tage nach der Impfung erfolgten genauen Untersuchung der Form und Verlauf gemäß als ächt erwiesen, und benanntes Individuum vor der Blattern-Krankheit schützen, dafür verbürgt«. Der »Impfungs-Schein« trägt neben dem Amtssiegel und der persönlichen Unterschrift des Bezirksarztes für den Gerichtsbezirk Berchtesgaden zudem die behördliche Anmerkung »Dieser Schein ist sorgfältig aufzubewahren« und blieb vielleicht deshalb bis heute erhalten.

Zur Person von Dr. Moritz Mayer: Er war ab 1810 königlicher Landgerichtsphysikus in Berchtesgaden und er liegt an der südöstlichen Ecke des alten Friedhofs unmittelbar vor der Franziskanerkirche begraben. In dem Grab wurde auch seine Enkelin Mauritia »Moritz« Mayer, besser bekannt als Judith Platter, beigesetzt. Zur Erinnerung: Dr. Mayer hat 1822 den Totenschein für den ältesten Berchtesgadener Anton Adner ausgestellt.

Zurück zu den Pocken: Die einst so gefährliche Seuche wurde durch die intensive Impfvorsorge inzwischen weltweit erfolgreich besiegt, und so konnte die allgemeine Pflicht zur Pockenschutzimpfung in der Bundesrepublik Deutschland Ende 1975 aufgehoben werden. Wie froh wäre über diese Botschaft wohl die Kaiserin Maria Theresia gewesen, deren dynastische Heiratspolitik von den Pocken durcheinander gebracht wurde: Zwei ihrer Töchter starben an den Pocken und eine dritte wurde durch diese völlig verunstaltet.