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(Foto: Kilian Pfeiffer)

Petition zur Kreisklinik Berchtesgaden: Bereits über 1200 Unterschriften für den Erhalt der Notaufnahme

Berchtesgaden – Mehr als 1200 Personen haben innerhalb von zwei Tagen eine Petition zum Erhalt der Akutmedizin in der Kreisklinik Berchtesgaden unterschrieben. Die Notaufnahme dort soll geschlossen werden. Auch die »Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern« zeigt sich besorgt über die Absichten der Kliniken Südostbayern AG (KSOB).


Die KSOB will im Rahmen einer medizinischen Zentralisierung die Innere Medizin an der Kreisklinik aufgeben. Aus einem Krankenhaus der Grundversorgung einschließlich Notfallversorgung und Geriatrischer Rehabilitation würde eine orthopädische und geriatrische Fachklinik. Wichtige »Vorsorgekapazitäten für Pandemien und andere Katastrophenfälle gehen dabei verloren«, teilt die »Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern« in einer Aussendung mit. Häufig sei eine »Reduktion des klinischen Leistungsspektrums Eingangstür für die vollständige Aufgabe des Standortes«, befürchtet man in der Gruppe, die Mitglied im »Bündnis Klinikrettung« ist.

Dass sich auch viele Bürger Sorgen um die Zukunft der Kreisklinik Berchtesgaden machen, zeigt eine Online-Petition zum Erhalt der Akutmedizin im Krankenhaus Berchtesgaden, die in wenigen Tagen über 1 200 Unterschriften erhalten hat. »Der Beschluss, die Notaufnahme im Krankenhaus Berchtesgaden zu schließen und die Abteilung Innere Medizin auf ein Minimum zu reduzieren, wurde an der Bevölkerung des Talkessels vorbei durch den Vorstand der KSOB, zusammen mit den von den Bürgern gewählten Volksvertretern beschlossen«, schreibt die Petitionsverfasserin Danja Heinrich. Die Pläne, die Notaufnahme zu schließen, seien »von allen Parteien sehr bedeckt gehalten« worden. Die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden, zu denen die Orte Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Bischofswiesen, Marktschellenberg und Ramsau zählen, hätten »wenig bis gar keine Informationen« gehabt, schreibt Heinrich. Darauf zu reagieren sei nicht möglich gewesen.

In sozialen Medien ist eine erhitzte Diskussion über das Vorhaben der Kliniken Südostbayern AG entbrannt, die an insgesamt sechs Standorten – Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing, Ruhpolding, Traunstein und Trostberg – pro Jahr mehr als 50.000 Patienten stationär versorgen.

»Ich selbst habe dort nachts genug Stunden Patienten versorgt – und häufig verhindert, dass diese nach Bad Reichenhall in die meistens überlastete Notaufnahme fahren müssen«, schreibt die Petitionsverfasserin. Kein Verständnis zeigt sie für die Politik, die das Vorhaben auf Kreisebene unterstützt: »Warum stimmen die Politiker zu, dass die ländliche medizinische Versorgung immer mehr abgebaut wird und damit einfach schlechter wird?”, fragt sie in der Facebook-Gruppe »Du kommst aus Berchtesgaden, wenn…«

Die Reaktion: Dutzende Kommentare. »Die Überlastung der noch bleibenden Strukturen, egal ob von Notfallrettung, Krankentransport oder von der einzig übrig gebliebenen Notaufnahme des Landkreises, ist vorprogrammiert«, schreibt einer, der im Rettungsdienst arbeitet. Enttäuscht zeigt sich der Verfasser auch von Landrat Bernhard Kern, »der dem scheinbar – vorbehaltlos? – zustimmt«. Kritik gibt es auch an den Vertretern des Kreistags, »von dessen Mitgliedern wohl ein Großteil für diese Umstrukturierung war«. Mit lediglich drei Gegenstimmen war das künftige KSOB-Klinikkonzept zur Umstrukturierung durchgewunken worden. »Die Art und Weise, wie hier eine adäquate und wohnortnahe Notfallversorgung durch eine Mehrheit der Kreisräte höchstpersönlich zu Grabe getragen wird, ist echt traurig und ein Schlag ins Gesicht der Bevölkerung«, schreibt ein weiterer Kommentator. Einer, der gegen das Klinik-Konzept stimmte, war Dr. Reinhard Reichelt, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Berchtesgadener Land, der seine Sorge um den Klinikstandort in Berchtesgaden mehrfach zur Geltung brachte.

Für den 19. September ist ein Informationsabend im Gymnasium Berchtesgaden angekündigt worden. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und mehrere Gemeinderäte haben diesen in sozialen Medien bestätigt. Die Kliniken Südostbayern AG will dort über die Zukunft der Klinik und die angedachte Schließung der Notaufnahme in Berchtesgaden informieren. Laut Bürgermeister Rasp haben in der Aula rund 400 Personen Platz. »Ich hoffe, es kommen noch viel mehr«, schreibt einer. »Wir müssen zeigen, dass unsere Klinik in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben soll.«

Kilian Pfeiffer

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