DAV: Fortbestand betriebener Hütten in Gefahr

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DAV-Vorsitzender Beppo Maltan hat ein schwieriges Jahr hinter sich. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Die Übernachtungszahlen der Hütten der Deutschen Alpenvereins-Sektion Berchtesgaden (DAV) sind im Coronajahr 2020 auf einen Tiefststand gefallen. Das zeigen die Zahlen, die Vorsitzender Beppo Maltan auf der Jahreshauptversammlung des größten Vereins im Berchtesgadener Land mit über 11 000 Mitgliedern präsentierte. So gingen die Übernachtungszahlen in der Blaueishütte von 7 196 im Jahr 2019 auf 3 558 zurück, das Kärlingerhaus verbucht 5 834 Übernachtungen. 2019 waren es noch 13 278. Immer komplexere Auflagen gefährdeten zudem den Fortbestand öffentlich betriebener Hütten, sagte Maltan. 


»Noch nicht erlebt«

Häufig besucht sind die sektionseigenen Alpenvereinshütten in gewöhnlichen Jahren. »Ein Jahr wie das vergangene hat das Kärlingerhaus noch nicht erlebt«, teilt Beppo Maltan mit. Das Kärlingerhaus gilt als die einnahmenstärkste DAV-Hütte. Weil in Zeiten des Klimawandels Witterungs- und Schneeverhältnisse nicht mehr zu kalkulieren seien, wird das Kärlingerhaus nur noch einen Schutzraum öffnen. »Der vorhandene Winterraum wird nicht mehr geöffnet.« Im vergangenen Jahr musste dort ein Betreiberkonzept entwickelt werden, das die Übernachtungen auf maximal 80 Personen regelt – inklusive eigenem Schlafsack.

Durch behördliche Auflagen war die DAV-Sektion Berchtesgaden dazu angehalten, Bauunterhalt zu gewährleisten. Eine größere Maßnahme: die Überdachung und die Optimierung der Schlammtrennung. »Eigentlich wäre dies eine Arbeit von drei, vier Wochen gewesen«, sagt dazu Beppo Maltan. Den DAV erreichte die »Hiobsbotschaft«, die baurechtliche Genehmigung könne nicht sofort erteilt werden. Hinzu kam, wegen des brütenden Adlers seien Baustellenflüge erst ab August möglich. Für das Kärlingerhaus bedeutete das den »worst case« (schlimmsten Fall) für die geplante Öffnung des Hauses im Juni.

Umfangreiche Verfahren

Hinzu kam der Kampf um eine Genehmigung für Trinkwasser für das Kärlingerhaus, die im vergangenen Jahr abgelaufen war. Nicht bedacht hatte Maltan, dass »die Verfahren wesentlich umfangreicher geworden sind«, vorhandene Geländeaufzeichnungen nicht mehr reichten und nun ein Ingenieurbüro benötigt wird.

Maltan hat darüber nachgedacht, seinen ehrenamtlichen Vorstandsposten aufzugeben und zur Verfügung zu stellen, weil immer komplexere Auflagen das Arbeiten erschweren: »Während man sich früher um einen Planer für Baumaßnahmen im Gebirge bemühte, ist es mittlerweile so, dass man zuerst einen Anwalt für Verwaltungsrecht, einen Biologen und dann ein Ingenieurbüro braucht.«

Maltan warnt: »Sollte es künftig mit den Auflagen auf unseren Hütten so weitergehen, sehe ich den Fortbestand öffentlich betriebener Hütten als sehr gefährdet an.« Die Auflagen seien kaum noch zu leisten, auch der einhergehende bürokratische Aufwand sei immens. »Es wird immer schwieriger, zukünftig noch Wirte zu bekommen, die sich dieses Aufwands annehmen.«

Insofern ist Beppo Maltan stolz, dass der Betrieb des Schneibsteinhauses nun künftig in Händen der DAV-Sektion Berchtesgaden liegt. Der DAV hat das Haus angepachtet. »Wir merken, wie wertvoll das ist.« Seit vergangenem Frühjahr bewirtschaftet nun Stefan Lienbacher das Schneibsteinhaus. Zahlen für 2019 liegen offiziell nicht vor. Im Corona-Jahr 2020 verbuchte das Schneibsteinhaus 1583 Übernachtungen. Beim Stöhrhaus am Untersberg, das umfangreich umgebaut worden war, blickt man auf eine »zufriedenstellende« Saison zurück. Die Übernachtungszahlen brachen aber ein – von 1 687 auf nunmehr 849.

Neue Untersbergrunde

Das vergangene Jahr stand am Untersberg ganz im Zeichen von Filmaufnahmen, die für die Kino-Dokumentation »Das Riesending – 20 000 Meter unter der Erde« entstanden sind. »Einige Male besuchten uns dafür die Höhlenforscher der Arbeitsgemeinschaft Bad Cannstatt«, die die längste Höhle Deutschlands erforschten (wir berichteten mehrmals). Stolz zeigt sich DAV-Vorsitzender Maltan über die neue Untersbergrunde, eine mehrtägige Tour, die über das Stöhrhaus zur Schellenberger Eishöhle, zur Toni-Lenz-Hütte, über den Schellenberger Sattel und Dopplerstieg zum Zeppezauerhaus führt. Von dort aus geht es zum Hirschangerkopf und Zehnkaser weiter, »damit entzerren wir andere viel begangene Touren, etwa die durch das Steinerne Meer«, so Maltan.

»Ruhig bis einsam« war es auf der Wasseralm, die im Jahr 2019 noch 6 097 Übernachtungen verzeichnet hatte, im vergangenen Jahr dann nur noch 1 857. An einigen Tagen gab es gar keine Besucher auf der Hütte, die zwischen dem Hagengebirge und dem Steinernen Meer hoch über dem Obersee liegt. Auch die Blaueishütte unterhalb des Blaueis-Gletschers im Hochkalter-Stock musste geringere Besucher- und Übernachtungszahlen notieren. Statt über 7 000 Übernachtungsgästen in einem gewöhnlichen Jahr kamen im vergangenen Jahr nur 3 558 Gäste. Kilian Pfeiffer

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